Deutscher Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie 2026 (DKOU 2026)
Deutscher Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie 2026 (DKOU 2026)
Sind morphologische FAI-Parameter auch im Ultra-low-Dose-CT zuverlässig messbar?
Text
Zielsetzung und Fragestellung: Im Management des femoroazetabulären Impingement (FAI) ist die Erfassung morphologischer Parameter am Hüftgelenk für eine präzise Diagnostik und erfolgreiche Therapiewahl unverzichtbar. Meist werden diese Vermessungen heutzutage strahlungsarm in konventionellen Röntgenaufnahmen und im MRT durchgeführt. Computertomographien (CT) sind dem MRT in Bezug auf den Kortikalis-Weichgewebe-Kontrast und die knöcherne Bildauflösung überlegen, dennoch wird auf Grund der hohen Stahlenbelastung häufig auf sie verzichtet. Nach einer vorangegangenen Simulationsstudie sowie Validierungsstudien konnte ein Ultra-Low-Dose-CT-Protokoll (UldCT) für Rotationsmessungen der unteren Extremität in der klinischen Routine etabliert werden, das mit einer Strahlenbelastung auskommt, die im Bereich konventioneller Röntgenaufnahmen liegt und dabei ohne Hardware- oder Software-Komponenten auskommt. Ziel dieser Studie ist die intraindividuelle Validierung dieses UldCT für die Vermessung gängiger FAI-Parameter im Vergleich zum konventionellen CT.
Material und Methoden: Bei 46 Patientinnen und Patienten wurde nach positivem Votum der Ethikkommission jeweils eine UldCT und eine CT durchgeführt. 5 wichtige FAI-Parameter beider Hüftgelenke wurden durch 2 Reader (ein Facharzt mit 8 Jahren und ein Assistenzarzt mit 3 Jahren orthopädischer Erfahrung) gemessen: Azetabuläre Version (AV), Alpha-Winkel (AA), femorale Torsion nach Reikeras (FT), anterior acetabular sector angle (AASA), posterior acetabular sector angle (PASA). Die Strahlenbelastung wurde anhand des Dosis-Längen-Produkts (DLP) des Hüft-Scans beurteilt. Wilcoxon-Tests wurden für den Vergleich der FAI-Parametern verwendet und DLP-Messungen.
Ergebnisse: Die Mittelwerte der UldCT (bzw. der zugehörige CT) betrugen für AV 18,75°±5,29° (18,29°±5,40°), AW 38,18°±7,78° (37,65°±8,15°), FT 15,06°±8,51° (19,12°±1,98°), AASA 62,59°±8,28° (63,62°± 7,63°) und PASA 99,4°±10,14° (100,6°±9,71°). Im Vergleich zu CT zeigen Messungen im UldCT keine signifikanten Unterschiede (p zwischen 0.14 und 0.94) bei den einzelnen FAI-Parametern. Der Vergleich der Strahlendosis zeigt eine signifikante Strahlenreduktion um mehr als 97% (p<0,05) zwischen CT (mean DLP=490,81 mGycm) und UldCT (mean DLP=13,58 mGycm).
Diskussion und Schlussfolgerung: Mittels UldCT lassen sich die wichtigsten FAI-Parameter analog zum CT sehr gut bestimmen, ohne dass die hohe Strahlenbelastung eines konventionellen CT in Kauf genommen werden muss. Der hohe Kortikalis-Weichteil-Kontrast, die hohe Bildauflösung mit beliebig im Raum rekonstruierbaren Bildern, die äußerst geringe Strahlenbelastung im Bereich konventioneller Röntgenaufnahmen, sowie die im Vergleich zum MRT vielerorts bessere Verfügbarkeit sprechen dafür, dass UldCT künftig neben konventionellem Röntgen und MRT eine dritte wichtige Säule der bildgebenden Diagnostik bei FAI werden könnte. Der direkte Vergleich von UldCT zum MRT wird in einer Folgestudie untersucht.



