Logo

Deutscher Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie 2026 (DKOU 2026)

Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU), Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie (DGOOC), Deutsche Gesellschaft für Unfallchirurgie (DGU), Berufsverband für Orthopädie und Unfallchirurgie (BVOU)
20.-23.10.2026
Berlin

Meeting Abstract

Versorgungsrealität bei Klavikulafrakturen: Operative Indikationen, Fixationsstrategien und Materialentfernung – Ergebnisse einer DVSE-Umfrage

Malik Jessen - Klinikum rechts der Isar, München, Deutschland
Sebastian Albers - Klinik und Poliklinik für Unfallchirurgie, TUM Universitätsklinikum, München, Deutschland
Philipp Zehnder - Klinik und Poliklinik für Unfallchirurgie, TUM Universitätsklinikum, München, Deutschland
Ahmed Ellafi - Klinik und Poliklinik für Unfallchirurgie, TUM Universitätsklinikum, München, Deutschland
Michael Zyskowski - Klinik und Poliklinik für Unfallchirurgie, TUM Universitätsklinikum, München, Deutschland
Peter Biberthaler - Klinik und Poliklinik für Unfallchirurgie, TUM Universitätsklinikum, München, Deutschland
Markus Schwarz - Klinik und Poliklinik für Unfallchirurgie, TUM Universitätsklinikum, München, Deutschland

Text

Zielsetzung und Fragestellung: Trotz zunehmender Evidenz bestehen insbesondere bei Klavikulafrakturen weiterhin relevante Unsicherheiten hinsichtlich operativer Indikationen, Fixationsstrategien und der Indikation zur Materialentfernung. Dies betrifft vor allem Grenzindikationen bei Frakturen im mittleren Drittel sowie die optimale Versorgung instabiler lateraler Frakturen. Ziel dieser Studie war es, aktuelle Versorgungsstrategien und Entscheidungsprozesse von Schulterspezialistinnen und -spezialisten im deutschsprachigen Raum hinsichtlich sowohl der operativen Versorgung der Klavikulafraktur als auch der Materialentfernung systematisch zu erfassen.

Material und Methoden: Es wurde eine anonyme, webbasierte Querschnittsumfrage unter allen Mitgliedern der D-A-CH Vereinigung für Schulter- und Ellenbogenchirurgie (DVSE) durchgeführt. Der standardisierte Fragebogen umfasste 30 Items zu operativen Indikationen, Fixationsverfahren, Zusatzstabilisierungen, Materialentfernung (Indikation, Timing, Bildgebung) sowie zu demografischen Angaben. Die Auswertung erfolgte deskriptiv.

Ergebnisse: 198 Chirurginnen und Chirurgen nahmen an der Umfrage teil (Rücklaufquote 14,2%). Bei Klavikulafrakturen im mittleren Drittel wurde eine operative Versorgung am häufigsten ab einer Dislokation von 100% der Schaftbreite empfohlen (34%), gefolgt von 75% (25%) und 50% (21%). Die Plattenosteosynthese war das dominierende Fixationsverfahren (73%), überwiegend mit winkelstabilen, anatomisch präformierten Platten. Bei lateralen Klavikulafrakturen gaben 67% der Befragten eine winkelstabile Plattenosteosynthese mit zusätzlicher korakoklavikulärer Stabilisierung als aktuellen Gold-Standard an, während der Einsatz von Hakenplatten deutlich geringer war (18%). Operativ behandelt wurden vor allem instabile Frakturtypen. Hinsichtlich der Materialentfernung wurden Irritation (91%) und Patientenwunsch (88%) am häufigsten als Indikationen genannt, während eine Infektion die wichtigste absolute Indikation darstellte (57%). Die Materialentfernung erfolgte überwiegend verzögert (>18 Monate) und orientierte sich primär an der radiologischen Konsolidation. Die präoperative Bildgebung bestand regelhaft aus Röntgenaufnahmen, während die CT selektiv eingesetzt wurde.

Diskussion und Schlussfolgerung: Die Ergebnisse zeigen eine zunehmende Übereinstimmung in den Behandlungsstrategien bei instabilen lateralen Klavikulafrakturen, mit klarer Präferenz für eine kombinierte Platten- und CC-Stabilisierung. Gleichzeitig bestehen weiterhin erhebliche Unterschiede bei den operativen Schwellenwerten bei Midshaft-Frakturen sowie bei Indikation und Timing der Materialentfernung. Die Daten unterstreichen den Bedarf an konsensbasierten Empfehlungen für die klinische Entscheidungsfindung.