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Deutscher Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie 2026 (DKOU 2026)

Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU), Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie (DGOOC), Deutsche Gesellschaft für Unfallchirurgie (DGU), Berufsverband für Orthopädie und Unfallchirurgie (BVOU)
20.-23.10.2026
Berlin

Meeting Abstract

Psychometrische Eigenschaften der subjektiven Schulterfunktion bei proximalen Humerusfrakturen – reicht eine Frage aus?

Nicolas Liß - Zentrum für Orthopädie und Unfallchirurgie, Universitätsklinikum des Saarlandes, Homburg, Deutschland
Emmanouil Liodakis - Zentrum für Orthopädie und Unfallchirurgie, Universitätsklinikum des Saarlandes, Homburg, Deutschland
Sam Razaeian - Zentrum für Orthopädie und Unfallchirurgie, Universitätsklinikum des Saarlandes, Homburg, Deutschland

Text

Zielsetzung und Fragestellung: Die subjektive Schulterfunktion (SSF) wird häufig zur Beurteilung von Patienten mit proximalen Humerusfrakturen (PHF) empfohlen und verwendet. Ihre psychometrischen Eigenschaften wurden jedoch für diese Pathologie noch nicht umfassend untersucht, was Ziel dieser Studie ist.

Material und Methoden: Zwischen April und Oktober 2025 wurden konsekutive Patienten mit PHF prospektiv in ein Register eines Level-1-Traumazentrums eingeschlossen. Die SSF und der Oxford Shoulder Score (OSS) wurden am Unfalltag sowie nach 1, 3, 6, 12 und 24 Wochen schriftlich oder telefonisch erhoben. Analysiert wurden Konstruktvalidität, Responsivität, Test-Retest-Reliabilität, die anker- und verteilungsbasierte minimal klinisch relevante Differenz (MCID) sowie Floor- und Ceiling-Effekte. Zudem wurde die Verständlichkeit der SSF in einer Subgruppe telefonischer Erhebungen durch einen Interviewer untersucht.

Ergebnisse: Insgesamt wurden 77 Patienten ausgewertet (ø Alter: 65,6 ± 17,9 Jahre, Spannweite: 9–94 Jahre, 80,5% weiblich, 64,2% operative Behandlung). Die SSF korrelierte mäßig bis sehr stark mit dem OSS (Spearman's rho: 0,44 bis 0,96), mit den höchsten Korrelationen zwischen 3 und 24 Wochen (ρ = 0,6 bis 0,96). Zudem zeigte die SSF eine starke Responsivität (Cohen's d: 2,8, standardisierte mittlere Veränderung: 1,8). Anker- und verteilungsbasierte MCIDs lagen bei 9 bzw. 16,2 Punkten. Die Intraklassen-Korrelationskoeffizienten demonstrierten eine exzellente Test-Retest-Reliabilität. Ein deutlicher Floor-Effekt wurde bei 56,7% der Patienten am Unfalltag festgestellt, während ein Ceiling-Effekt nicht beobachtet werden konnte. In der Subgruppe von 48 telefonischen Erhebungen konnten 17 Patienten (35,4%) die SSF nicht als Einzelfrage verstehen und benötigten mehrere Umformulierungen (Ø 2,6 Abfragen). Trotz dessen verstanden 7 Patienten (14,6%) die SSF auch danach nicht korrekt und gaben schließlich einen unschlüssigen Wert an.

Diskussion und Schlussfolgerung: Die SSF hat eine angemessene Validität und Reliabilität bei Patienten mit PHF. Allerdings stellen der bislang unbekannte, ausgeprägte Floor-Effekt wie auch Verständlichkeitsprobleme in einer überwiegend geriatrischen Patientengruppe ihre Eignung als alleinigen Outcome-Score für diese Pathologie in Frage.