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Deutscher Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie 2026 (DKOU 2026)

Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU), Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie (DGOOC), Deutsche Gesellschaft für Unfallchirurgie (DGU), Berufsverband für Orthopädie und Unfallchirurgie (BVOU)
20.-23.10.2026
Berlin

Meeting Abstract

Notfallmäßige Wirbelsäulenstabilisierung als unabhängiger Prädiktor für eine Tracheotomie bei Polytrauma ohne Einfluss auf die Beatmungsdauer

Nils Mühlenfeld - Klinik für Orthopädie und Unfallchirurgie, Universitätsklinikum Freiburg, Freiburg, Deutschland
Peter Obid - Sektion Wirbelsäulenchirurgie, Klinik und Poliklinik für Unfallchirurgie und Orthopädie, Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, Hamburg, Deutschland
Andreas Sommer - Klinik für Orthopädie und Unfallchirurgie, Universitätsklinikum Freiburg, Freiburg, Deutschland
Johannes Kalbhenn - Klinik für Anästhesiologie und Intensivmedizin, Universitätsklinikum Freiburg, Freiburg, Deutschland
Kilian Reising - Klinik für Orthopädie und Unfallchirurgie, Universitätsklinikum Freiburg, Freiburg, Deutschland
Hagen Schmal - Klinik für Orthopädie und Unfallchirurgie, Universitätsklinikum Freiburg, Freiburg, Deutschland; Klinik für Orthopädie und Unfallchirurgie der Universitätsklinik Odense, Odense, Dänemark

Text

Zielsetzung und Fragestellung: Bei schwerem Polytrauma ist zur Versorgung instabiler Frakturen häufig eine notfallmäßige Wirbelsäulenstabilisierung (Emergency Spinal Stabilization, ESS) erforderlich. Unklar bleibt jedoch, ob eine anschließende Tracheotomie (TS) oder eine verlängerte Beatmungsdauer (Duration of Mechanical Ventilation, DMV) primär auf den chirurgischen Eingriff selbst oder auf die Schwere des begleitenden Traumas zurückzuführen sind. Ziel dieser Studie war es, den unabhängigen Effekt der ESS auf diese respiratorischen Parameter zu isolieren.

Material und Methoden: In dieser retrospektiven Kohortenstudie wurden 914 schwerverletzte Patienten (Injury Severity Score, ISS ≥ 16) eines Level-I-Traumazentrums analysiert. Patienten mit ESS (n=85) wurden einer Kontrollgruppe (n=829) gegenübergestellt. Primäre Zielparameter waren die TS-Rate und die DMV. Mittels multivariater logistischer Regression wurde das unabhängige Risiko der ESS ermittelt, wobei eine Bereinigung um die initiale Verletzungsschwere (u.a. ISS und Abbreviated Injury Scale) erfolgte.

Ergebnisse: Die ESS-Gruppe wies eine signifikant höhere Gesamtverletzungsschwere (medianer ISS: 34 vs. 29; p<0,001) sowie eine höhere unbereinigte Tracheotomierate (21,8% vs. 10,7%; p<0,001) auf. In der multivariaten Analyse bestätigte sich die ESS als unabhängiger Prädiktor für eine TS (OR = 2,462; p=0,006). Im Gegensatz dazu wurde die DMV primär durch die initiale Schwere des Traumas beeinflusst; die ESS zeigte hier keinen unabhängigen Effekt (p=0,247). Hinsichtlich ARDS, Pneumonie, Sepsis und Letalität zeigten sich keine signifikanten Unterschiede zwischen den Gruppen.

Diskussion und Schlussfolgerung: Die ESS ist bei schwerem Polytrauma ein unabhängiger und hochsignifikanter Prädiktor für die Notwendigkeit einer Tracheotomie (OR = 2,462), beeinflusst jedoch nicht die Beatmungsdauer. Diese Ergebnisse legen ein proaktives und intensiviertes Atemwegsmanagement bei Patienten nach einer ESS nahe.