Logo

Deutscher Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie 2026 (DKOU 2026)

Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU), Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie (DGOOC), Deutsche Gesellschaft für Unfallchirurgie (DGU), Berufsverband für Orthopädie und Unfallchirurgie (BVOU)
20.-23.10.2026
Berlin

Meeting Abstract

Geschlecht, Alter, BMI oder Läsionslokalisation – Prädiktoren der subjektiv wahrgenommenen Kniefunktion zwei Jahre nach Minced Cartilage Implantation

Dagmar Linnhoff - Orthocentrum Hamburg, Hamburg, Deutschland
Stefan Schneider - Orthocentrum Hamburg, Hamburg, Deutschland
Johannes Holz - Orthocentrum Hamburg, Hamburg, Deutschland; MSH Medical School Hamburg, Hamburg, Deutschland

Text

Zielsetzung und Fragestellung: Die arthroskopische autologe Minced Cartilage Implantation (MCI) stellt eine der neueren Techniken zur Reparatur fokaler Knorpelläsionen des Kniegelenks dar. Erste technische Beschreibungen wurden von Schneider et al. (2019) veröffentlicht. Die MCI ist für Knorpeldefekte des medialen Femurkondylus (MFC), lateralen Femurkondylus (LFC), der Trochlea und der Patella indiziert. Potenzielle patienten- und läsionsspezifische Prädiktoren, die das klinische Ergebnis positiv oder negativ beeinflussen könnten, wurden bislang jedoch nicht systematisch untersucht. Ziel dieser datenbasierten Analyse war es, Prädiktoren der subjektiv wahrgenommenen Kniefunktion zwei Jahre nach MCI zu identifizieren.

Material und Methoden: In dieser retrospektiven Analyse wurden Zweijahresdaten von 191 Personen (58,1% männlich; Alter 40,2 ± 11,3 Jahre; BMI 27,3 ± 4,8 kg/m²), die sich einer MCI unterzogen hatten, aus einem Online-Register für patientenberichtete Outcomes (Outcomes Matter, OrthoCentrum Hamburg) ausgewertet. Die Verbesserung der subjektiv wahrgenommenen Kniefunktion wurde als Differenz des Single Assessment Numeric Evaluation (SANE)-Scores zwischen präoperativer Erhebung und 2 Jahren post definiert. Zur Untersuchung möglicher Prädiktoren wurden multivariate Regressionsanalysen durchgeführt, wobei Geschlecht, BMI, Alter, präoperativer Schmerz, präoperatives Aktivitätsniveau, Läsionslokalisation und Läsionsgröße berücksichtigt wurden.

Ergebnisse: Die mittlere Verbesserung im SANE-Score betrug 24,2 ± 26,9 (Frauen: 18,36 ± 27,19; Männer: 28,36 ± 26,32). Verteilung der Primärläsionen: 42,9% MFC, 19,4% Trochlea, 18,3% LFC, 17,8% Patella und 1,6% Tibia. In 23 Fällen wurde zusätzlich eine zweite Läsion behandelt (bifokal). Die mittlere Läsionsgröße betrug 2,1 ± 1,5 cm² (Range: 0,4–6,0 cm²). Das erste Regressionsmodell umfasste Geschlecht, Alter, BMI, primäre Läsionslokalisation und -größe. Dieses Modell erreichte keine statistische Signifikanz, zeigte jedoch eine Tendenz zu einem Einfluss des Geschlechts (p = .06). Im zweiten Modell wurde die Läsionslokalisation dichotomisiert; Alter, BMI und Läsionsgröße wurden nicht berücksichtigt. Dieses Modell zeigte eine signifikante prädiktive Erklärungskraft (R² = 0,17), wobei Geschlecht und das Vorliegen einer bifokalen Läsion als signifikante Prädiktoren identifiziert wurden.

Diskussion und Schlussfolgerung: Diese explorative Analyse zeigte, dass keiner der untersuchten Prädiktoren einen wesentlichen Anteil der Varianz erklärte. Das männliche Geschlecht war mit einer stärkeren Verbesserung assoziiert, während die Behandlung bifokaler Läsionen mit ungünstigeren Ergebnissen verbunden war. Positive Trends zeigten sich für eine patellofemorale Lokalisation, ein geringeres präoperatives Aktivitätsniveau und höhere präoperative Schmerzwerte, ohne statistische Signifikanz. Die prädiktive Aussagekraft der Regressionsmodelle war insgesamt begrenzt. Weiterführende Modellierungsansätze sind notwendig, um die Determinanten patientenberichteter Outcomes nach MCI klarer zu identifizieren.