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Deutscher Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie 2026 (DKOU 2026)

Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU), Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie (DGOOC), Deutsche Gesellschaft für Unfallchirurgie (DGU), Berufsverband für Orthopädie und Unfallchirurgie (BVOU)
20.-23.10.2026
Berlin

Meeting Abstract

Bioaktives Glas als Alternative bei Knochendefekten nach intraläsionaler Kürettage

Kim Alexandra Ullrich - Klinik für Orthopädie, Universitätsklinikum, Heidelberg, Deutschland
Julian Deisenhofer - Klinik für Orthopädie, Universitätsklinikum, Heidelberg, Deutschland
André Lunz - Klinik für Orthopädie, Universitätsklinikum, Heidelberg, Deutschland
Burkhard Lehner - Klinik für Orthopädie, Universitätsklinikum, Heidelberg, Deutschland
Axel Horsch - Klinik für Orthopädie, Universitätsklinikum, Heidelberg, Deutschland

Text

Zielsetzung und Fragestellung: Bei Knochendefekten im Rahmen der Behandlung von Osteomyelitiden, benignen knöchernen Tumoren und Knochenzysten ist eine Defektauffüllung zur Wiederherstellung der mechanischen Stabilität und zur Vermeidung von Komplikationen erforderlich. Bioaktives Glas stellt eine potenzielle Alternative zu autologer und allogener Spongiosa sowie zu Knochenzement dar; klinische Daten zur Anwendung in der Tumororthopädie sind jedoch begrenzt. Ziel dieser Studie war die Untersuchung der Sicherheit, der radiologisch beurteilten knöchernen Konsolidierung anhand konventioneller Röntgenaufnahmen sowie der patientenberichteten Ergebnisse nach Defektauffüllung mit bioaktivem Glas.

Material und Methoden: Es wurde eine retrospektive, monozentrische Beobachtungsstudie (01/2020–03/2024) durchgeführt. Eingeschlossen wurden 51 Patient*innen nach intraläsionaler Kürettage und Defektauffüllung mit bioaktivem Glas. Primärer Endpunkt war das Auftreten klinisch relevanter postoperativer Komplikationen innerhalb eines Jahres. Sekundäre Endpunkte umfassten das funktionelle Outcome (PROMs) sowie das radiologische Einheilverhalten anhand relativer Grauwertanalysen konventioneller Röntgenaufnahmen und den Nachweis postoperativer Residuen im MRT. Die statistische Auswertung erfolgte explorativ (α = 0,05).

Ergebnisse: Das mediane Alter betrug 22 Jahre, 64,7% der Patient*innen waren männlich. Das mediane Follow-up lag bei 14 Monaten. Vollständige radiologische Datensätze standen bei 46/51 Patient*innen zur Verfügung. Die relative Röntgendichte zeigte einen signifikanten zeitlichen Verlauf mit niedrigeren präoperativen im Vergleich zu postoperativen und Nachsorgewerten (Friedman-Test, jeweils p < 0,001). Auswertbare PROMs lagen bei 45/51 Patient*innen (88%) vor und zeigten überwiegend gute bis sehr gute funktionelle Ergebnisse. Postoperative Ereignisse traten bei 21/51 Patient*innen (41,2%) auf und waren überwiegend geringfügig. Klinisch relevante Komplikationen (Clavien-Dindo ≥ II) wurden bei 4/51 Patient*innen (7,8%) beobachtet, darunter zwei antibiotikapflichtige Infektverläufe, ein ambulant behandeltes Wundereignis (Grad IIIa) sowie eine operative Zehamputation (Grad IIIb), ohne kausalen Zusammenhang zur Defektauffüllung mit bioaktivem Glas. Postoperative Residuen im MRT wurden bei 9/51 Patient*innen (17,6%) nachgewiesen, überwiegend bei zystischen Läsionen und Revisionseingriffen. Diese waren meist klein, stabil und ohne klinische Progression. Hinweise auf materialassoziierte radiologische Auffälligkeiten zeigten sich nicht.

Diskussion und Schlussfolgerung: Die Defektauffüllung mit bioaktivem Glas zeigte eine suffiziente knöcherne Konsolidierung, überwiegend gute funktionelle Ergebnisse sowie eine niedrige Rate klinisch relevanter, materialassoziierter Komplikationen. Prospektive, kontrollierte Vergleichsstudien sind erforderlich.