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Deutscher Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie 2026 (DKOU 2026)

Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU), Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie (DGOOC), Deutsche Gesellschaft für Unfallchirurgie (DGU), Berufsverband für Orthopädie und Unfallchirurgie (BVOU)
20.-23.10.2026
Berlin

Meeting Abstract

Gibt es geschlechterspezifische Unterschiede bei der Distraktionsosteogenese am Femur im Jugendalter?

Anna Rachbauer - Abteilung für Kinderorthopädie, Deformitätenrekonstruktion und Fußchirurgie, Universitätsklinikum Münster, Münster, Deutschland
Andrea Laufer - Abteilung für Kinderorthopädie, Deformitätenrekonstruktion und Fußchirurgie, Universitätsklinikum Münster, Münster, Deutschland
Georg Gosheger - Klinik für Allgemeine Orthopädie und Tumororthopädie, Universitätsklinikum Münster, Münster, Deutschland
Gregor Toporowski - Abteilung für Kinderorthopädie, Deformitätenrekonstruktion und Fußchirurgie, Universitätsklinikum Münster, Münster, Deutschland
Henning Tretow - Abteilung für Kinderorthopädie, Deformitätenrekonstruktion und Fußchirurgie, Universitätsklinikum Münster, Münster, Deutschland
Robert Rödl - Abteilung für Kinderorthopädie, Deformitätenrekonstruktion und Fußchirurgie, Universitätsklinikum Münster, Münster, Deutschland
Björn Vogt - Abteilung für Kinderorthopädie, Deformitätenrekonstruktion und Fußchirurgie, Universitätsklinikum Münster, Münster, Deutschland
Adrien Frommer - Abteilung für Kinderorthopädie, Deformitätenrekonstruktion und Fußchirurgie, Universitätsklinikum Münster, Münster, Deutschland

Text

Zielsetzung und Fragestellung: Die geschlechterspezifische Medizin und die daraus abgeleiteten diagnostischen sowie therapeutischen Konzepte gewinnen in den letzten Jahren zunehmend an Bedeutung. Experimentelle Tierstudien sowie retrospektive klinische Untersuchungen konnten bereits signifikante Unterschiede in der Frakturheilung zwischen erwachsenen Frauen und Männern nachweisen. Diese Unterschiede werden unter anderem auf hormonelle, metabolische und biomechanische Faktoren zurückgeführt. Für den Heilungsverlauf im Kindes- und Jugendalter, insbesondere im Kontext elektiver knochenverlängernder Eingriffe, liegen bislang jedoch nur begrenzte Daten vor. Vor diesem Hintergrund war es Ziel der vorliegenden Studie, mögliche geschlechterspezifische Unterschiede bei der Femurverlängerung mittels intramedullärer Marknagelosteosynthese im Jugendalter systematisch zu untersuchen.

Material und Methoden: Zwischen 2014 und 2018 wurde bei insgesamt 74 Patientinnen und Patienten (38 Mädchen, 36 Jungen) im Alter von 8 bis 19 Jahren mittels antegrad implantiertem Verlängerungsmarknagel (Precice™ Limb Lengthening System, Globus Medical, Pennsylvania, USA) eine Femurverlängerung vorgenommen. Die Distraktion wurde standardisiert am siebten postoperativen Tag begonnen und mit einer Geschwindigkeit von 1 mm pro Tag durchgeführt. Regelmäßige radiologische Verlaufskontrollen erfolgten in Abständen von 14 Tagen. Nach Abschluss der Distraktionsphase wurde in der Regel eine Konsolidierungsphase von etwa sechs Wochen eingehalten, bevor – abhängig vom radiologischen Heilungsverlauf – eine schrittweise Aufbelastung erlaubt wurde.

Ergebnisse: Das mediane Alter zum Zeitpunkt der Implantation betrug in beiden Gruppen 15 Jahre (Spannweite 8–19 Jahre). Die geplante mediane Distraktionsstrecke lag bei 40 mm (20–65 mm) bei den Mädchen und 39 mm (20–70 mm) bei den Jungen. Die tatsächlich erreichte Distraktion betrug im Median 36,7 mm (19,5–65 mm) bzw. 36,5 mm (19–82 mm). Der mediane Krankenhausaufenthalt lag bei 9 Tagen (2–11 Tage). Komplikationen traten bei 3 Patientinnen auf (2x Osteomyelitis, 1x Gelenkluxation). Bei zwei Patienten war ein frühzeitiger Distraktionsabbruch erforderlich. Eine Anpassung der Distraktionsgeschwindigkeit wurde bei 11 Mädchen und 6 Jungen vorgenommen. Der mediane Distraktionsindex betrug 0,798 (0,44–1,1) bei den Mädchen und 0,932 (0,52–1,7) bei den Jungen. Der mediane Konsolidierungsindex lag bei 32,01 (16,33–66,87) bzw. 29,23 (12,27–62,43).

Diskussion und Schlussfolgerung: Entgegen den in der Literatur beschriebenen geschlechterspezifischen Unterschieden der Knochenheilung im Erwachsenenalter zeigten sich in dieser Studie keine relevanten Unterschiede. Als mögliche Erklärung für die im Erwachsenenalter beobachteten Differenzen wird unter anderem der unterschiedliche Hormonhaushalt diskutiert, der im Jugendalter möglicherweise noch keinen entscheidenden Einfluss auf den Heilungsverlauf ausübt. Zur weiteren Validierung dieser Ergebnisse sind prospektive Studien mit größeren Fallzahlen sowie direkte Vergleiche mit Erwachsenenkohorten erforderlich.