Deutscher Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie 2026 (DKOU 2026)
Deutscher Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie 2026 (DKOU 2026)
Einfluss der Neck-Fill-Ratio auf die postoperative Sinterung und das funktionelle Outcome – eine Kohortenstudie bei primär-implantierten A2-Kurzschaftprothesen
Text
Zielsetzung und Fragestellung: Die Ursachen für das Versagen von Hüftendoprothesen (HTEP) sind vielfältig und stellen für den individuellen Patienten und das Gesundheitssystem eine enorme Belastung dar. Ein Hauptgrund für das Versagen von HTEPs sind Schaftsinterungen. Die vorliegende Studie untersucht, inwiefern die Neck-Fill-Ratio (NFR) einen Einfluss auf die postoperative Sinterung und auf Patient-Reported Outcome Measures (PROMs) hat.
Material und Methoden: Für diese monozentrische, retrospektive Kohortenstudie mit prospektivem Follow-Up wurden alle Patienten, die im Zeitraum 01/2023 – 09/2024 eine Primärimplantation einer A2®-Kurzschaftprothese erhalten haben, gescreent. Ausschlusskriterien waren Revisionseingriffe, ausgeprägte knöcherne Deformitäten, intraoperative Komplikationen, unzureichende Qualität der vorliegenden Röntgenbilder sowie ein unvollständiges Follow-Up. Mittels postoperativer Röntgenbilder wurde die NFR als Quotient aus Prothesen- und Markraumdurchmesser an definierten Höhen berechnet. Anhand dieser wurde das Patientenkollektiv in drei Gruppen unterteilt (G1: NFR < Mittelwert (MW) -1 Standardabweichung (SD); G2: NFR = MW ±1 SD; G3: NFR > MW +1 SD). Im Gruppenvergleich wurde die Sinterung und das klinisch-funktionelle Outcome (erhoben mittels etablierter PROMs wie HOOS, FJS, EQ-5D-5L, NRS, UCLA) analysiert. Die statistische Auswertung erfolgte mittels Kruskal-Wallis-Test und Mann-Whitney-U-Test. Für die NFR und die Sinterung wurde zusätzlich eine lineare Regression gerechnet. Als Signifikanzniveau wurde ein p-Wert <0,05 festgelegt.
Ergebnisse: Insgesamt wurden 180 Patienten eingeschlossen (G1: n=25; G2: n=121; G3: n=34). Es bestand eine Assoziation zwischen einer niedrigen NFR und dem Ausmaß der Schaftsinterung (Schaftsinterung G1: 3,67 mm, G2: 2,51 mm, G3: 1,43 mm), wobei der Gruppenunterschied zwischen G1 und G3 statistisch signifikant war (p=0,013). Die Regression zeigte ebenfalls einen Zusammenhang zwischen höherer NFR und geringerer Sinterung (p=0,002), wobei eine Zunahme der NFR um 0,1 mit einer Abnahme der Sinterung um 1,15 mm assoziiert war. Eine klinisch relevante Schaftsinterung >3 mm zeigte sich in 18,3% der Fälle. In dieser Subgruppe wurde in 48,8% eine kleinere Schaftgröße als ursprünglich geplant implantiert. Es bestand kein signifikanter Unterschied der PROMs zwischen den NFR-Gruppen.
Diskussion und Schlussfolgerung: Zusammenfassend konnte in dieser Studie ein Zusammenhang zwischen der postoperativen NFR und dem Sinterungsverhalten der implantierten Kurzschaftprothesen nachgewiesen werden. In der Subgruppe mit relevanter Schaftsinterung zeigte sich in 48,8% der Fälle eine Abweichung zur präoperativen Planung mit kleinerer definitiver Schaftgröße. Diese Ergebnisse unterstreichen den Stellenwert der präoperativen Planung und legen nahe, dass die NFR ein Parameter für die Beurteilung einer stabilen Verankerung der HTEP ist.



