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Deutscher Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie 2026 (DKOU 2026)

Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU), Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie (DGOOC), Deutsche Gesellschaft für Unfallchirurgie (DGU), Berufsverband für Orthopädie und Unfallchirurgie (BVOU)
20.-23.10.2026
Berlin

Meeting Abstract

Management und Outcome dislozierter geriatrischer Azetabulumfrakturen: Ein retrospektiver Vergleich zwischen ORIF und akuter totaler Hüftendoprothese

Ioannis Mamoutakis - Klinik für Orthopädie, Unfall- und Wiederherstellungschirurgie, Uniklinik RWTH Aachen, Aachen, Deutschland
Till Berk - Klinik für Orthopädie, Unfall- und Wiederherstellungschirurgie, Uniklinik RWTH Aachen, Aachen, Deutschland
Hatem Alabdulrahman - Klinik für Orthopädie, Unfall- und Wiederherstellungschirurgie, Uniklinik RWTH Aachen, Aachen, Deutschland
Rald Groven - Klinik für Orthopädie, Unfall- und Wiederherstellungschirurgie, Uniklinik RWTH Aachen, Aachen, Deutschland
Felix Bläsius - Klinik für Orthopädie, Unfall- und Wiederherstellungschirurgie, Uniklinik RWTH Aachen, Aachen, Deutschland
Klemens Horst - Klinik für Unfall-, Hand- und Wiederherstellungschirurgie, Universitätsklinikum Münster, Münster, Deutschland
Frank Hildebrand - Klinik für Orthopädie, Unfall- und Wiederherstellungschirurgie, Uniklinik RWTH Aachen, Aachen, Deutschland
Eftychios Bolierakis - Klinik für Orthopädie, Unfall- und Wiederherstellungschirurgie, Uniklinik RWTH Aachen, Aachen, Deutschland

Text

Zielsetzung und Fragestellung: Ziel der vorliegenden Studie war es, den Einfluss unterschiedlicher operativer Verfahren bei dislozierten geriatrischen Azetabulumfrakturen auf kurzfristige postoperative klinische und radiologische Ergebnisse zu untersuchen. Darüber hinaus erfolgte ein retrospektiver Vergleich historischer Kohorten vor und nach Etablierung eines neuen standardisierten Behandlungskonzepts, welches die Verwendung zementfreier modularer Hüftpfannen mit Iliumzapfen für die akute endoprothetische Versorgung von Azetabulumfrakturen vorsieht.

Material und Methoden: In diese retrospektive Kohortenstudie wurden Patient*innen im Alter von ≥ 70 Jahren mit isolierter einseitiger dislozierter Azetabulumfraktur eingeschlossen, die in einem überregionalen universitären Traumazentrum der Maximalversorgung operativ behandelt wurden. Periprothetische sowie pathologische Frakturen wurden ausgeschlossen. Die operative Versorgung erfolgte entweder mittels offener Reposition und interner Fixation (ORIF) oder mittels totaler Hüftendoprothese mit oder ohne zusätzliche Osteosynthese (THA ± ORIF). Die Klassifikation der Azetabulumfrakturen erfolgte nach Judet und Letournel. Als Endpunkte wurden die radiologische Qualität der Frakturreposition sowie kurzfristige klinische Ergebnisse (Mortalität, Komplikationen, Schmerzintensität und Remobilisationsrate) erfasst. Subgruppenanalysen wurden für folgende historische Kohorten durchgeführt: 2016–2019 versus 2022–2025.

Ergebnisse: Insgesamt wurden 60 Patient*innen eingeschlossen (Medianalter: 82 Jahre; medianer Charlson-Comorbidity-Index: 5). Am häufigsten war die Fraktur der vorderen Säule mit posteriorer Hemitransversalfraktur (n = 35). 35 Patient*innen wurden mittels ORIF versorgt, 25 erhielten eine totale Hüftendoprothese mit oder ohne zusätzliche Osteosynthese (THA ± ORIF). In der jüngsten historischen Kohorte (2022–2025) wurde häufiger eine THA ± ORIF durchgeführt als in der früheren Kohorte (19 vs. 6 Fälle). Postoperativ betrugen sowohl der mediane Frakturspalt als auch die Stufenbildung in der ORIF-Gruppe jeweils 2 mm. Die Versorgung mittels THA ± ORIF war mit einer signifikant schnelleren Remobilisation (Median: 2 Tage vs. 5 Tage bei ORIF) und einer geringeren Schmerzintensität (medianer VAS 1–3 vs. 4–6 bei ORIF) assoziiert. Hinsichtlich der Dauer des Krankenhausaufenthalts, der Komplikationsraten und der Mortalität zeigten sich keine signifikanten Unterschiede. Ebenso bestanden keine signifikanten Unterschiede in den Komplikationsraten zwischen den historischen Kohorten.

Diskussion und Schlussfolgerung: Die Versorgung geriatrischer Azetabulumfrakturen mittels THA ± ORIF ist mit einer schnelleren Remobilisation und einer geringeren postoperativen Schmerzintensität assoziiert und zeigt im Hinblick auf Mortalität und Komplikationsraten vergleichbare Ergebnisse zur Standardtherapie mittels ORIF. Darüber hinaus erwies sich die zunehmend standardisierte Anwendung modularer zementfreier Revisionspfannen mit Iliumzapfen im Rahmen eines etablierten operativen Behandlungskonzepts als realisierbar und sicher.