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Deutscher Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie 2026 (DKOU 2026)

Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU), Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie (DGOOC), Deutsche Gesellschaft für Unfallchirurgie (DGU), Berufsverband für Orthopädie und Unfallchirurgie (BVOU)
20.-23.10.2026
Berlin

Meeting Abstract

Dreidimensionale Analyse, Funktionalität und Lebensqualität nach periazetabulärer Osteotomie nach Ganz

Jägerhuber Ludwig - Klinik für Orthopädie und Unfallchirurgie, Muskuloskelettales Universitätszentrum München (MUM) LMU Klinikum, LMU München, München, Deutschland

Text

Zielsetzung und Fragestellung: Die periazetabuläre Osteotomie (PAO) ist ein etablierter gelenkerhaltender Eingriff zur Behandlung der Hüftdysplasie mit langer Rehabilitationszeit und relevanter Rate an Therapieversagern verbunden. Ziel der prospektiven Studie ist es, die dreidimensionale Pathoanatomie von Becken, Hüftpfanne und proximalem Femur zu charakterisieren und deren strukturelle Veränderungen nach Umstellungsosteotomie zu erfassen. Untersucht werden Zusammenhänge zwischen feinstruktureller Knochenarchitektur, Muskelmorphologie, funktionellem Outcome und Lebensqualität. Im Fokus stehen die Entwicklung der Hüftfunktion bis 12 Monate postoperativ, die Knochenanpassung an veränderte Belastung, deren Einfluss auf das klinische Ergebnis sowie die Rolle muskulärer Veränderungen.

Material und Methoden: Seit Anfang 2024 werden etwa 50 Patient*innen eingeschlossen, die aufgrund einer symptomatischen Hüftdysplasie mittels PAO behandelt wurden. 6 und 12 Monate postoperativ erfolgt ein standardisiertes Bone-MRT zur dreidimensionalen Analyse der trabekulären Struktur von Pfanne und proximalem Femur sowie zur Quantifizierung von Muskelvolumen und Fettgehalt. Zusätzlich werden konventionelle radiologische Parameter (CE- und AC-Winkel, Reimers-Index, Pfannenversion, CCD-Winkel, femorale Antetorsion, FEAR-Index) erfasst. Das funktionelle Outcome wird präoperativ sowie nach drei, sechs und zwölf Monaten mit dem modifizierten Harris Hip Score und dem EuroQol-5D bestimmt.

Ergebnisse: Eingeschlossen sind bisher 50 Patient*innen (80% Frauen, Durchschnittsalter 28,5±7,4Jahre). Präoperativ zeigt sich eine deutlich eingeschränkte Lebensqualität mit einem Harris Hip Score von rund 55 Punkten, der postoperativ signifikant ansteigt und nach zwölf Monaten etwa 77 Punkte erreicht. In der präoperativen Bildgebung zeigte sich bei Dysplasie ein mittlerer LCE-Winkel von 17,3°±5,2°. Das Bone-MRT erlaubt eine hochauflösende, dreidimensionale Beurteilung der Knochenarchitektur und ermöglicht die Analyse postoperativer Adaptationen. Korrelationen zwischen Veränderungen von Knochenstruktur und Muskelmorphologie mit Funktionsverlauf und Lebensqualität werden untersucht. Zudem sollen ungünstige Konstellationen von Pfannen- und Femurversion, Beckenkippung und Belastungslinien identifiziert werden, die mit schlechterem Outcome assoziiert sind.

Diskussion und Schlussfolgerung: Die Studie soll das Verständnis der komplexen Pathoanatomie der Hüftdysplasie erweitern und darauf aufbauend die Indikationsstellung, Planung von Becken- und Femurosteotomien verbessern. Durch die Kombination aus strahlenfreier 3D-Bildgebung, standardisierter Radiologie und funktionellen Scores sollen prognostische Marker für das klinische Ergebnis identifiziert werden. Langfristig könnten so eine individualisierte Operationsplanung, die Vermeidung von Über- und Fehlkorrekturen sowie eine verkürzte Rehabilitationszeit erreicht werden. Besonders das Bone‑MRT erscheint bei jungen Patient*innen als vielversprechendes Tool, um strukturelle Anpassungsprozesse nachvollziehbar und evidenzbasiert zu bewerten.