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Deutscher Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie 2026 (DKOU 2026)

Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU), Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie (DGOOC), Deutsche Gesellschaft für Unfallchirurgie (DGU), Berufsverband für Orthopädie und Unfallchirurgie (BVOU)
20.-23.10.2026
Berlin

Meeting Abstract

Reduzierte Medialisierung der Patella durch eine KA-optimierte Femurkomponente bei kinematisch ausgerichteter Knie-TEP-Implantation in valgischen und varischen Kniegelenken

Johanna-Maria Simon - Muskuloskelettales Universitätszentrum, LMU Klinikum, München, Deutschland
Tara Siedow - Muskuloskelettales Universitätszentrum, LMU Klinikum, München, Deutschland
Christoph Thorwächter - Muskuloskelettales Universitätszentrum, LMU Klinikum, München, Deutschland
Thomas Niethammer - Muskuloskelettales Universitätszentrum, LMU Klinikum, München, Deutschland

Text

Zielsetzung und Fragestellung: Bei der kinematisch ausgerichteten (KA) Knie-TEP-Implantation musste bisher auf Standardimplantate zurückgegriffen werden, welche auf Basis der mechanischen Ausrichtung entwickelt wurden. Dies führt allerdings in bis zu 86% der Fälle zu einer Medialisierung der trochlearen Gleitrinne und gleichzeitig zu reduzierten PROMs. Eine seit 2021 verfügbare KA-optimierte Femurkomponente mit einem prothetischen Trochleawinkel von 20° statt 6° und nach proximal hin erweiterter Öffnungsfläche ergab im Rahmen erster klinischer Studien (Follow-Up 2 Jahre) bessere PROMs (Forgotten Joint Score, Oxford Knee Score).

Material und Methoden: Testung von 17 humanen Kniegelenkspräparaten (11x Valgus ≥ 2°, 5x Varus ≥ 2°) am Kniegelenkskinemator im Rahmen einer aktiven muskelgesteuerten Kniebeuge (Flexion 20-130°) mit konstanter Bodenreaktionskraft (50 N). Nach nativer Messung Implantation einer Knie-TEP mit Standard-Femurkomponente (Fa. Medacta, GMK Sphere) in kinematischer Ausrichtung. Anschließend Wechsel auf die KA-optimierte Femurkomponente (Fa. Medacta, GMK SpheriKA). Messung der patellofemoralen Kinematik mithilfe eines optischen Messsystems (ARAMIS 3D Kamera 2.3M, GOM GmbH) und der patellofemoralen Druck-/Kontaktverhältnisse mittels Druckmessfolie (K-Scan 4000, Fa. Tekscan Inc.).

Ergebnisse: Die KA-optimierte Femurkomponente (SpheriKA) zeigte insbs. bis 70° Flexion eine reduzierte Medialisierung der Patella nach Knie-TEP im nativen Vergleich, unabhängig von der Beinachse. Der patellare Tilt ergab nach Knie-TEP eine Innenrotation bis ca. 110° Flexion unabhängig von der Femurkomponente. Eine vergrößerte Kontaktfläche ließ sich für die KA-optimierte Femurkomponente lediglich bei valgischer Beinachse (bis 90°) nachweisen. Bei varischer Beinachse war die Kontaktfläche ab 70° Flexion mit der Standard-Femurkomponente vergrößert. Trotzdem führte die KA-optimierte Femurkomponente bei varischer und valgischer Beinachse zu einer deutlichen Reduktion des retropatellaren Spitzendruckes bis 110° Flexion; der anschließend deutlich erhöhte Spitzendruck korreliert mit abnehmender Kontaktfläche.

Diskussion und Schlussfolgerung: Es zeigen sich in Bezug auf die Patellapositionierung durch den vergrößerten prothetischen Trochleawinkel von 20° und weiterer trochlearer Öffnungsfläche der KA-optimierten Femurkomponente eine verminderte Medialisierung der Patella und eine Reduktion des retropatellaren Spitzen- bzw. Anpressdruckes (Reduktion der Scherkräfte?) im Midflex-Bereich unabhängig von einer valgischen oder varischen Beinachsendeformität. Dies kann aus biomechanischer Sicht z.B. ein reduziertes Auftreten von anteriorem Knieschmerz nach kinematisch ausgerichteter Knie-TEP unterstützen. Die bei Flexion >110° erhöhten Spitzendrücke und die abnehmende Kontaktfläche sind aufgrund der a.e. nicht vollständigen Erfassung der retropatellaren Fläche eingeschränkt zu bewerten. Diesbezüglich wäre die ergänzende Betrachtung der geographischen Druckverteilung mit Lageanalyse der Spitzendrücke sinnvoll.