28. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Audiologie e. V.
28. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Audiologie e. V.
Reproduzierbarkeit des Gehörgangscans bei unterschiedlich großer Detailaufnahme
Text
Einleitung: Die Digitalisierung des Abformprozesses im Rahmen der Otoplastik- und Hörsystemversorgung stellt einen zentralen Innovationsschritt in der Hörakustik dar. Die präzise dreidimensionale Erfassung der anatomischen Gehörgangsstrukturen bildet die Grundlage für die additive Fertigung von maßgefertigten Hörsystemkomponenten und Otoplastiken. Die vorliegende Studie untersucht die Variabilität des digitalen Abformprozesses selbst, um kritische Parameter für die Routineanwendung durch Audiolog:innen und Hörakustiker:innen zu definieren.
Material und Methoden: Zur Untersuchung der Reproduzierbarkeit des Gehörgangscans wurden drei unterschiedliche Scanprotokolle hinsichtlich der Zeitdauer und somit der Dichte der erfassten Punktwolken definiert:
Schnell: ca. 30 – 60 Sekunden pro Ohr. Mittellang: ca. 70 – 120 Sekunden pro Ohr. Intensiv: ca. 140 – 210 Sekunden pro Ohr.
Das Design war als intraindividuelle, repetitive Messreihe konzipiert. Es wurden jeweils fünf aufeinanderfolgende Messungen pro definiertem Scanprotokoll und Untersucher:in an einem dedizierten Prüfkörper durchgeführt. Dieser Prüfkörper basierte auf einem vorab digital entworfenen, idealen STL-Modell eines typischen menschlichen Ohres und diente als exakte Referenzgeometrie.
Ergebnisse: Die quantitative Analyse der RMS-Werte ergab für alle drei Scanprotokolle eine hohe Konsistenz innerhalb der jeweiligen Messgruppen. Die gemittelten maximalen Abweichungen von der idealen Geometrie bewegten sich im Bereich von typischen Fertigungstoleranzen der additiven Fertigung. Im direkten Vergleich der drei Protokolle (schnell vs. mittellang vs. intensiv) zeigten sich nur sehr geringe Unterschiede in der resultierenden Geometrie. Die größte Varianz wurde erwartungsgemäß beim schnellen Scanvorgang festgestellt.
Diskussion: Die Beobachtung, dass eine signifikante Reduktion der Scandauer (von 2:50 min auf 0:40 min) keine klinisch relevanten Einbußen in der Reproduzierbarkeit des Gehörgangsmodells nach sich zieht, ist für die Anwendungspraxis von entscheidender Bedeutung. Sie impliziert, dass die Dichte der Punktwolke, die über die Scanzeit akquiriert wird, für die Erstellung eines hinreichend präzisen Abbildes zur Herstellung von Hörsystemen und Otoplastiken bereits nach kurzer Zeit als ausreichend zu bewerten ist. Die kritische Anatomie für die akustische Abdichtung und den Tragekomfort wird offensichtlich bereits im „Schnell“-Protokoll zuverlässig erfasst. Diese Ergebnisse unterstützen die Implementierung effizienterer digitaler Arbeitsabläufe in der Hörakustik, da die Zeitersparnis ohne Qualitätseinbußen realisiert werden kann.
Fazit: Die vorliegende Studie zur Reproduzierbarkeit des intraauralen Scans demonstriert, dass die Detailaufnahmeintensität, gemessen an der Zeitdauer des Scanvorgangs, die klinisch und praktisch notwendige Präzision der digitalen Gehörgangsmodelle nicht wesentlich beeinflusst.



