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28. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Audiologie e. V.

Deutsche Gesellschaft für Audiologie e. V.
04.-06.03.2026
Oldenburg

Meeting Abstract

Trends und Präferenzen in der Prozessorwahl bei Cochlea-Implantaten

Tobias Rottmann - Medizinische Hochschule Hannover, HNO/DHZ, Hannover, Deutschland
Lutz Gärtner - Medizinische Hochschule Hannover, HNO/DHZ, Hannover, Deutschland
Andreas Büchner - Medizinische Hochschule Hannover, HNO/DHZ, Hannover, Deutschland
Rolf Salcher - Medizinische Hochschule Hannover, HNO/DHZ, Hannover, Deutschland

Text

Einleitung: Seit der Einführung von Single-Unit-Prozessoren (auch Off-the-Ear- oder All-in-One-Prozessoren genannt) für Cochlea-Implantate (CI) vor über zehn Jahren bieten die CI-Hersteller im deutschen Markt mehrheitlich beide Bauformen an: den Hinter-dem-Ohr-Prozessor (HdO) und den Single-Unit-Prozessor (SUP). Patienten stehen damit vor einer Wahl, die nicht immer leichtfällt. Obwohl die Möglichkeit zur Ausprobe besteht, bleiben für CI-Nutzer häufig zentrale Fragen unbeantwortet, insbesondere zur allgemeinen Präferenz und der Hörleistung mit den verschiedenen Prozessortypen. Um hier genauere Aussagen treffen zu können, wurden die Daten der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) der letzten zehn Jahre analysiert.

Methode: Die Verteilung der Prozessorwahl nach Bauform (HdO vs. SUP) wurde abhängig und unabhängig vom Hersteller untersucht. Des Weiteren wurde analysiert, ob sich die Verteilungen in Abhängigkeit vom Alter bei Implantation und dem kontralateralen Restgehör unterscheiden. Ergänzend wurden die klinischen Messungen zum Sprachverstehen im Störgeräusch (OLSA in Störgeräusch/Kondition: S0N0) der verschiedenen Prozessortypen verglichen.

Ergebnisse: Die Analyse der MHH-Daten zeigt, dass die Hinter-dem-Ohr-Version weiterhin mehrheitlich gewählt wird. Im Jahr 2024 entschieden sich 73% der Patienten mit Wahlmöglichkeit für einen HdO-Prozessor. Der Anteil der Single-Unit-Prozessoren stieg im Zeitverlauf jedoch an: von 6% im Jahr 2016 auf 27% im Jahr 2024. In der Subgruppe der einseitig ertaubten Patienten (PTA4 < 20 dB auf der Gegenseite) war die Akzeptanz des SUP im Jahr 2024 mit 39% nochmals deutlich höher. Der Vergleich des Sprachverstehens im Störgeräusch (S0N0) zeigt bei den aktuellen Prozessormodellen keine signifikanten Unterschiede.

Schlussfolgerungen: Die Ergebnisse unterstreichen die Notwendigkeit einer individuellen Beratung, die sowohl die technischen Spezifikationen als auch die ästhetischen und praktischen Präferenzen der Patienten berücksichtigt. Die Wahl des Prozessortyps scheint primär durch patientenbezogene Faktoren (Restgehör, Lifestyle etc.) beeinflusst zu werden.