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28. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Audiologie e. V.

Deutsche Gesellschaft für Audiologie e. V.
04.-06.03.2026
Oldenburg

Meeting Abstract

Cochlear Health bei Patienten mit kurz- und langfristiger Ertaubung

Marie-Louise Gockel-Böhner - Universitätsklinik für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde am Evangelischen Krankenhaus Oldenburg, Carl von Ossietzky Universität Oldenburg, Oldenburg, Deutschland
Jana Müller - Universitätsklinik für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde am Evangelischen Krankenhaus Oldenburg, Carl von Ossietzky Universität Oldenburg, Oldenburg, Deutschland
Rasmus Sönnichsen - Universitätsklinik für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde am Evangelischen Krankenhaus Oldenburg, Carl von Ossietzky Universität Oldenburg, Oldenburg, Deutschland
Heval Benav - MED-EL Elektromedizinische Geräte DE GmbH, Innsbruck, Österreich
Andreas Radeloff - Universitätsklinik für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde am Evangelischen Krankenhaus Oldenburg, Carl von Ossietzky Universität Oldenburg, Oldenburg, Deutschland; Cluster of Excellence „Hearing4all“, Carl von Ossietzky Universität Oldenburg, Oldenburg, Deutschland; Carl von Ossietzky Universität Oldenburg, Forschungszentrum Neurosensorik, Oldenburg, Deutschland

Text

Die Funktionalität und strukturelle Integrität der Spiralganglienneuronen (SGN) sowie des Hörnervs, zusammenfassend als „Cochlear Health“ bezeichnet, sind entscheidende Voraussetzungen für einen guten Hörerfolg mit einem Cochlea-Implantat (CI). Das elektrisch evozierte Summenaktionspotenzial (ECAP) dient hierbei als Maß für die neuronale Erregbarkeit. Insbesondere die Änderung der Steigung der Amplituden-Wachstumsfunktion (AGF) der ECAPs in Abhängigkeit vom Interphasenabstand (IPG) wurde als Maß für die Cochlear Health beschrieben [1].

Unklar ist, ob Cochlea-Implantate überwiegend soma-nahe Anteile der SGN oder eher deren periphere Neuriten in Richtung Corti-Organ (OC) stimulieren, welche vor den SGNs selbst degenerieren [2]. Vor diesem Hintergrund untersucht die vorliegende Studie die Cochlear Health zweier Patientengruppen mittels ECAP-Messungen, um daraus Rückschlüsse auf den Stimulationsort innerhalb der Cochlea abzuleiten.

Die erste Gruppe umfasst CI-Tragende mit kurzfristigem oder plötzlichem Hörverlust, die innerhalb von zwei Jahren nach der Ertaubung ein CI erhalten haben und deren betroffene Ohren zuvor über ein normales Hörvermögen verfügten. Aufgrund der kurzen auditorischen Deprivation wird hier von weitgehend intakten SGN-Strukturen ausgegangen. Die zweite Gruppe besteht aus Personen mit über mehrere Jahre progredient verlaufender Schwerhörigkeit oder Ertaubung, bei denen degenerative Veränderungen der peripheren Neuriten bzw. der SGN wahrscheinlich sind. Beide Gruppen werden hinsichtlich der Änderung der AGF-Steigung der ECAPs verglichen.

Die ersten Ergebnisse dieser Untersuchungen werden vorgestellt und diskutiert. Es deuten sich zum aktuellen Zeitpunkt insgesamt höhere Werte der Steigungsänderung der AGF in der Gruppe der Langzeitertaubten im Vergleich zur Gruppe der Kurzzeitertaubten bei ECAP-Messungen mit anodisch-führender Stimulation an, was auf einen möglichen Trend hinweisen könnte. Die Messungen sollen dazu beitragen, die Interpretation der ECAP-Messungen im Kontext der Cochlear Health zu verbessern und Hinweise auf den realen CI-Stimulationsort innerhalb der Cochlea zu liefern.


Literatur

[1] Zamaninezhad L, Mert B, Benav H, Tillein J, Garnham C, Baumann U. Factors influencing the relationship between cochlear health measures and speech recognition in cochlear implant users. Front Integr Neurosci. 2023 May 12;17:1125712. DOI: 10.3389/fnint.2023.1125712
[2] Liu W, Edin F, Atturo F, Rieger G, Löwenheim H, Senn P, Blumer M, Schrott-Fischer A, Rask-Andersen H, Glueckert R. The pre- and post-somatic segments of the human type I spiral ganglion neurons--structural and functional considerations related to cochlear implantation. Neuroscience. 2015 Jan 22;284:470-482. DOI: 10.1016/j.neuroscience.2014.09.059