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28. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Audiologie e. V.

Deutsche Gesellschaft für Audiologie e. V.
04.-06.03.2026
Oldenburg

Meeting Abstract

Automatisierte Erhebung der C-Werte bei Cochlea-Implantat-Versorgung

Kevyn Kogel - UKSH Kiel, HNO/Audiologie, Kiel, Deutschland
Theresa Günther - UKSH Kiel, HNO/Audiologie, Kiel, Deutschland
Friederike Schattke - UKSH Kiel, HNO/Audiologie, Kiel, Deutschland
Matthias Hey - UKSH Kiel, HNO/Audiologie, Kiel, Deutschland

Text

Fragestellung: Einen von mehreren Bausteinen der Einstellung von Sprachprozessoren bei Cochlea-Implantaten (CI) stellt die Wahl der C- bzw. M-Werte dar [1]. Dabei wird meist die Lautheitsskalierung verwendet, bei der die Patient:innen auf einer Skala von „nicht gehört“ bis „zu laut“ die wahrgenommene Lautheit bei Stimulation einzelner Elektroden angeben sollen [1]. Hierbei soll an den verschiedenen Elektroden die Ladungsmenge ermittelt werden, die eine gleich empfundene Lautheit der Kategorie „mittellaut“ bewirkt. Im Gegensatz zur von Brand & Hohmann [2] beschriebenen adaptiven Lautheitsskalierung soll nicht eine komplette Lautheitsfunktion ermittelt werden, sondern lediglich eine mittlere Lautheit. Ziel dieses Projektes war es, ein automatisiertes, app-gesteuertes Verfahren zu entwerfen, das die Ermittlung eines mittellauten Höreindrucks bei unterschiedlichen Frequenzbändern durchführt.

Methoden: Es wurde eine Tablet-App zur Realisierung einer automatisierten akustischen Lautheitsskalierung erstellt. Die verwendeten Frequenzbereiche stimmen dabei mit den Frequenzbändern eines Cochlea-Implantats (Cochlear-CI: Elektroden 22, 16, 11, 6 und 1) überein. Entsprechend der subjektiven Angabe wird der Schalldruckpegel erhöht oder abgesenkt, bis ein mittellauter Höreindruck entsteht. Eine Annäherung aus dem Bereich „leise“ und aus dem Bereich „laut“ erfolgt mehrfach, sodass ein mittlerer Wert für eine mittellaute Wahrnehmung berechnet werden kann. Im Rahmen einer Pilotierung wurde die App schließlich auf Handhabbarkeit geprüft.

Ergebnisse: Die beobachtete Handhabung der App zeigt, dass die normalhörenden Testpersonen, die einzelnen Interaktionsschritte auf dem Touch-Screen eindeutig verstehen und ohne nennenswerte Bedienhürden ausführen können. Im weiteren Verlauf soll geprüft werden, in welchem Umfang die mit der App erhobenen Lautheitswerte reliabel sind und ob die Gebrauchstauglichkeit auch bei wiederholten Messungen konstant bleibt. Eine weiterführende Validierung des Verfahrens mit CI-Patient:innen vergleicht die Stimuluspräsentation mittels akustischer Signale mit dem Streaming über Bluetooth direkt an den Sprachprozessor.

Schlussfolgerungen: Die Verwendung einer über Touch-Screen gesteuerten App ist für viele Menschen leicht zu erlernen. Eine automatisierte Ermittlung der wahrgenommenen Lautstärke „mittellaut“ mittels Tablets könnte das Personal in Kliniken entlasten und stellt eine kostengünstige und platzsparende Alternative zum Hörtest-Raum dar. Ein wesentlicher Parameter der persönlich zugeschnittenen CI-Einstellung könnte ohne Zeitdruck und reliabel durch Mehrfacherhebung und Mittelung erhoben werden.


Literatur

[1] Müller-Deile J. Anpassung von Cochlea-Implantat-Sprachprozessoren. Sprache· Stimme· Gehör. 2010;34(04):200-209. DOI: 10.1055/s-0030-1269868
[2] Brand T, Hohmann V. An adaptive procedure for categorical loudness scaling. J Acoust Soc Am. 2002 Oct;112(4):1597-604. DOI: 10.1121/1.1502902