28. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Audiologie e. V.
28. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Audiologie e. V.
Übertragung akustischer Signale mittels optoakustischer Stimulation bei Schwerhörigkeit
Text
Einleitung: Als Alternative zur mechanischen und elektrischen Stimulation haben wir weltweit erstmalig, die Aktivierung des peripheren Hörorgans durch optoakustische Stimulation, vorab bei normalhörenden Probanden, 2025 demonstrieren können. Als nächster Schritt auf dem Weg der Entwicklung eines neuartigen Hörsystems besteht die Frage inwiefern die Aktivierung des Hörsystems auch bei schwerhörigen Probanden mittels optoakustischer Stimulation möglich ist. Daher stellen wir hier unsere ersten Daten zur optoakustischen Stimulation des peripheren Hörorgans beim Menschen mit Hörminderung vor.
Methoden: 3 weibliche Erwachsene mit leicht bis hochgradiger Schallempfindungschwerhörigkeit haben sich freiwillig für unsere „First-in-Human“-Studie gemeldet, die von der saarländischen Ethikkommission genehmigt wurde. Alle Experimente wurden in einem schalloptimierten Raum durchgeführt. Die Reintonaudiometrie wurde im Vorfeld durchgeführt. Einzelne Töne eines Tonaudiogramms mit verschiedenen Frequenzen zwischen 400 Hz und 3.000 Hz, die in 808 nm Laserpulse übersetzt wurden, wurden bei Pegeln von 42 dB SPL bis 58 dB SPL dargeboten. Die Stimulation wurde mit einer 365-µm-Laserfaser (THORLABS) durchgeführt und die Laserpulse wurden auf ein absorbierendes Patch im Cavum conchae aufgebracht.
Ergebnisse: Einzelne Töne der verschiedenen Frequenzen wurden bei Hörverlust bis einschl. 50 dB erkannt. Die drei einfachen Melodien, die bei der Studie mit den normalhörenden Probanden zu 100% erkannt wurden, konnten nur von der leichtgradig schwerhörigen Probandin erkannt werden. Die Versuche wurden von allen Teilnehmerinnen sehr gut vertragen, und es konnten keine Nebenwirkungen wie Brennen, Erhitzung oder weitere später auftretenden Komplikationen beobachtet werden.
Schlussfolgerungen: Wir konnten zum ersten Mal am Menschen zeigen, dass die Aktivierung des auditorischen Systems mittels optoakustischer Stimulation auch bei leicht- bis mittelgradiger Schwerhörigkeit möglich ist. Unsere Daten zeigen auch durch grundlegende psychoakustische Tests, dass der zentrale auditorische Kortex diese Aktivierung als verständliche Signale wahrnimmt. Die Ergebnisse zeigen eine gute Unterscheidbarkeit zwischen verschiedenen Frequenzen und Schalldruckpegeln. Diese neuartige Stimulationsstrategie hat sich daher als ein sehr potente Kandidatin für eine neue Generation von Hörprothesen erwiesen, für die jedoch noch weitere Forschungs-, Entwicklungs- und Optimierungsarbeiten erforderlich sind.



