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28. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Audiologie e. V.

Deutsche Gesellschaft für Audiologie e. V.
04.-06.03.2026
Oldenburg

Meeting Abstract

Alltagsnutzen der Störgeräuschunterdrückung von Hörgeräten in dyadischen Gesprächen

Stefan Klockgether - Sonova AG, R&D, Stäfa, Schweiz
Sebastian Griepentrog - Sonova AG, R&D, Stäfa, Schweiz
Josephine Hollenbach - Sonova AG, R&D, Stäfa, Schweiz
Juliane Raether - Sonova AG, R&D, Stäfa, Schweiz
Christophe Lesimple - Sonova AG, R&D, Stäfa, Schweiz

Text

Zum natürlichen Kommunikationsverhalten gehört die Anpassung von Distanz und Sprachpegel an die jeweilige Situationskomplexität, an gesellschaftliche Normen und an das Verhalten des Gesprächspartners. [JR1] Je schwieriger dabei die Hörsituation ist, desto mehr nähern sich die Gesprächspartner aneinander an [1]. Je lauter die Hintergrundgeräusche wahrgenommen werden, desto lauter wird gesprochen, um weiterhin verstanden zu werden (Lombard-Effekt, [2]).

Die in diesem Beitrag vorgestellte Studie, verfolgt die Idee, das Verhalten von Versuchsteilnehmern in echten Gesprächssituationen zu erfassen und aus ihrem Verhalten auf die wahrgenommene Schwierigkeit zu kommunizieren zu schließen. Damit sollte untersucht werden, ob die Störgeräuschunterdrückung durch Hörgerätesignalverarbeitung eine objektiv messbare Vereinfachung der wahrgenommenen Kommunikationsschwierigkeit ermöglichen kann.

Hierzu wurden 15 erfahrende Hörgerätenutzer mit leicht- mittelgradigem Hörverlust in drei unterschiedlichen Konditionen (Signalverarbeitungsalgorithmen im Hörgerät), Teilnehmer-verblindet, in dyadischen Interaktionen untersucht. Das Experiment wurde im Sonova Real Life Lab am Entwicklungsstandort Stäfa (Schweiz) durchgeführt, welches immersive, audio-visuelle Wiedergabe von 360°-Aufnahmen realer Hörsituationen erlaubt. Während der Datenerfassung wurde eine typische Cocktail-Party Situation wiedergegeben, [LC2] die im Pegel zwischen 50 und 75 dB SPL und entsprechend in ihrer Komplexität variiert wurde. Dadurch wurden die Versuchsteilnehmer gezwungen ihr Verhalten anzupassen, um die Unterhaltung effektiv fortsetzen zu können. Die aufgenommenen Gespräche dauerten jeweils 195 Sekunden und wurden von allen Gesprächspaaren mit drei verschiedenen Hörgeräteprogrammeinstellungen mit und verschiedene Störgeräuschunterdrückung wiederholt.

Erfasst wurden Gesprächsdistanz (Motion-Capture) und Sprachpegel (Lavalier-Mikrofone). Nach jedem Gespräch füllten die Teilnehmenden einen kurzen Fragebogen zur wahrgenommenen Kommunikationsschwierigkeit aus. Zur Auswertung wurden die Maße in Abhängigkeit vom jeweiligen Hintergrundpegel analysiert und zwischen den drei Hörgeräteprogrammeinstellungen verglichen. Wie erwartbar steigt der Sprachpegel mit zunehmendem Hintergrundpegel an und die Kommunikationsdistanz nimmt ab. Die Ergebnisse zeigen außerdem geringere Sprachpegel bei stärkerer Störgeräuschunterdrückung, ohne Unterschiede in der Gesprächsdistanz. Die subjektiven Einschätzungen der Versuchsteilnehmer deuten darauf hin, dass das Kommunizieren in der simulierten, schwierigen Hörsituation mit starker Störgeräuschunterdrückung leichter fällt als ohne. [LC3] [KS4]

Die Ergebnisse zeigen, wie erwartet, höhere Sprachpegel bei lauterem Störgeräusch. Beim Nutzten von Störgeräuschunterdrückungsalgorithmen waren die Sprachpegel kleiner und die subjektive Zufriedenheit mit der Gesprächssituation größer.


Literatur

[1] Weisser A, Miles K, Richardson MJ, Buchholz JM. Conversational distance adaptation in noise and its effect on signal-to-noise ratio in realistic listening environments. J Acoust Soc Am. 2021 Apr;149(4):2896. DOI: 10.1121/10.0004774
[2] Hadley LV, Brimijoin WO, Whitmer WM. Speech, movement, and gaze behaviours during dyadic conversation in noise. Sci Rep. 2019 Jul 18;9(1):10451. DOI: 10.1038/s41598-019-46416-0