28. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Audiologie e. V.
28. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Audiologie e. V.
Hörermüdung mit Hörgeschädigten im Labor messen: Abfolge unterschiedlicher Tests im Time-Compressed Auditory Day versus monoton andauernder Dual-Task-Test
Text
Ermüdung, die durch länger andauernde Höranstrengung hervorgerufen wird, wird Hörermüdung genannt. Höranstrengung lässt sich bei Menschen mit Hörverlust durch eine Versorgung mit Hörgeräten verringern. Der Nachweis einer daraus folgenden Verringerung der Hörermüdung durch Hörversorgung gestaltet sich schwieriger und wurde unseres Wissens bislang nur in zwei publizierten Labor-Studien nachgewiesen: Hornsby [1] und Blümer et al. [2]. Beide Studien basieren auf Laborprozeduren, bei denen Hörtests zur Auslösung von Hörermüdung und zu deren Messung eingesetzt wurden. Bei Hornsby [1] wurde ein einzelner Dual-Task-Test (Vigilanztest mit Merkaufgabe) monoton andauernd durchgeführt (ca. eine Stunde), was zu signifikant steigenden Reaktionszeiten führte. Blümer et al. [2] hingegen setzten eine Abfolge unterschiedlicher Tests im sogenannten Time-Compressed Auditory Day (TCAD) ein, wobei auch der von Hornsby verwendete Test wiederholt enthalten war. Dieser zeigte im TCAD jedoch keinen signifikanten Ermüdungs-Effekt. In der hier präsentierten Studie wurden beide Ansätze im gleichen Probanden-Kollektiv verglichen (in getrennten Terminen gemessen). Es wurden ältere Versuchspersonen mit mittelgradigen Hörverlusten getestet, die mit gleichen Hörgeräten versorgt wurden. In der Hornsby-Monoton-Session wurde ein signifikanter Anstieg der Reaktionszeiten im Verlauf der Durchführungszeit beobachtet. In der TCAD-Session wurden ebenfalls signifikant steigende Reaktionszeiten in einem einfachen Reaktionstest beobachtet (wiederholt im Verlauf des TCADs getestet), des Weiteren sinkende korrekte Antworten in einer Merkaufgabe (ebenfalls wiederholt gemessen) sowie eine signifikant steigende subjektive Ermüdung (Bewertung nach jedem Test). Der im TCAD enthaltene Hornsby-Test zeigte isoliert betrachtet jedoch auch in dieser Studie keinen Ermüdungseffekt. Diese Beobachtungen deuten darauf hin, dass die steigenden Reaktionszeiten bei monotonem Testen nicht nur auf Ermüdung zurückzuführen sind, sondern vermutlich auf sinkende Motivation oder eine Kombination aus beidem.
Gefördert durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG), Projekt ID 352015383, SFB 1330 Projekt C4.
Literatur
[1] Hornsby BW. The effects of hearing aid use on listening effort and mental fatigue associated with sustained speech processing demands. Ear Hear. 2013 Sep;34(5):523-34. DOI: 10.1097/AUD.0b013e31828003d8[2] Blümer M, Heeren J, Mirkovic B, Latzel M, Gordon C, Crowhen D, Meis M, Wagener K, Schulte M. The Impact of Hearing Aids on Listening Effort and Listening-Related Fatigue - Investigations in a Virtual Realistic Listening Environment. Trends Hear. 2024 Jan-Dec;28:23312165241265199. DOI: 10.1177/23312165241265199



