28. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Audiologie e. V.
28. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Audiologie e. V.
Messung später akustisch evozierter Potenziale über ein aktives Mittelohrimplantat
Text
Einleitung: Die Anpassung diverser Hörsysteme wie etwa der aktiven Mittelohrimplantate beruht weitgehend auf subjektiven Verfahren, die einer aktiven Rückmeldung der Patient:innen bedürfen. Nicht nur zum Erreichen der optimalen Geräteeinstellungen, sondern gerade bei geistig eingeschränkten Patient:innen und Kindern, stoßen diese häufig an ihre Grenzen, weshalb eine objektive Messmethodik, wie die Verwendung der CAEPs – Cortical Auditory Evoked Potentials – Abhilfe schaffen könnte.
Fragestellung: Ziel dieser Studie galt es zu untersuchen, ob durch Registrierung später akustisch evozierter Potenziale (CAEP) die Anpassung aktiver Mittelohrimplantate wie der Vibrant Soundbridge (MED-EL, Österreich) verifiziert werden kann.
Methoden: Diese prospektive Querschnittstudie umfasst bisher 20 normalhörende Proband:innen sowie 13 Patient:innen mit Schallleitungs- oder kombiniertem Hörverlust, die mit einer Vibrant Soundbridge versorgt wurden. Die Registrierung der CAEPs erfolgte mit dem Eclipse-Messsystem (Interacoustics, Dänemark). Als akustische Reize wurden den Studienteilnehmer:innen die in dem Messsystem implementierten, frequenzspezifischen, sprachähnlichen Stimuli (ManU-IRU – Low, Mid und High) im freien Schallfeld über eine Lautsprecherbox bei zwei unterschiedlichen Schalldruckpegeln (65 und 45dB SPRefL) präsentiert. Zur Sicherstellung eines seitengetrennten Messablaufs wurde das kontralaterale Ohr verschlossen.
Ergebnisse: Grundlage der Auswertung bildeten die jeweiligen Amplituden und Latenzen der für CAEP charakteristischen P1-N1-P2-Wellenform. Hinsichtlich der zeitlichen Latenzen bis zum Auftreten der entsprechenden Welle konnten bei den mit Hörsystem versorgten Patient:innen im Vergleich zu den Normalhörenden eine leichte, systembedingte Verlängerung festgestellt werden. Die P2-N1-Amplituden der mit der Vibrant Soundbridge versorgten Patient:innen zeigten gegenüber derer bei unversorgtem Zustand frequenzübergreifend eine statistisch signifikante Zunahme.
Schlussfolgerungen: Die in dieser Untersuchung vorgestellte Messmethodik erlaubt die Registrierung von frequenzspezifischen CAEPs über Stimulation von aktiven Mittelohrimplantaten im freien Schallfeld. Dies kann zur Validierung und in Zukunft möglicherweise auch zur Optimierung der individuellen Hörsystemeinstellungen in den untersuchten Frequenzbereichen verwendet werden, und würde sich daher vor allem bei Kinderanpassungen eignen.



