Logo

28. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Audiologie e. V.

Deutsche Gesellschaft für Audiologie e. V.
04.-06.03.2026
Oldenburg

Meeting Abstract

Prädiktoren der postoperativen Sprachverständlichkeit bei aktiven Mittelohrimplantaten: Entwicklung eines klinisch nutzbaren Vorhersagemodells

Susen Lailach - Universitätsklinikum Dresden, Sächsisches Cochlear Implant Centrum, Dresden, Deutschland
Hannes Seidler - Universitätsklinikum Dresden, Sächsisches Cochlear Implant Centrum, Dresden, Deutschland
Anna Tsypina - Universitätsklinikum Dresden, Sächsisches Cochlear Implant Centrum, Dresden, Deutschland
Janina Kuch - Universitätsklinikum Dresden, Sächsisches Cochlear Implant Centrum, Dresden, Deutschland
Thomas Zahnert - Universitätsklinikum Dresden, Sächsisches Cochlear Implant Centrum, Dresden, Deutschland
Christoph Müller - Universitätsklinikum Dresden, Sächsisches Cochlear Implant Centrum, Dresden, Deutschland

Text

Fragestellung: Aktive Mittelohrimplantate wie die Vibrant Soundbridge (VSB) sind eine effektive Option zur Versorgung von Patient:innen mit einer Schallleitungsschwerhörigkeit oder einer kombinierten Schwerhörigkeit, insbesondere bei ausgeprägter Schallleitungskomponente und frustraner konventioneller Hörgeräteversorgung. Dennoch variiert das postoperative Sprachverstehen im Freifeld bei 65dB SPL (Word Recognition Score, WRS65dB) erheblich – selbst bei ähnlichen audiometrischen Ausgangsbefunden. Ziel dieser Studie war es, klinische Einflussfaktoren für die postoperative Sprachverständlichkeit zu identifizieren und ein prädiktives Modell zur Ergebnisprognose zu entwickeln.

Methoden: In einer prospektiven Beobachtungsstudie wurden 20 Erwachsene mit einseitiger VSB-Implantation eingeschlossen. Erfasst wurden prä- und postoperative Knochenleitungsschwellen (BCPTA4), das präoperative maximale Einsilberverstehen (WRSmax), das postoperative Einsilberverstehen bei 65 dB SPL (WRS65dB) mit der VSB, postoperative Vibrogramm-Schwellen (VIBPTA4), sowie die subjektive Bewertung der Versorgung anhand von Patient-reported Outcome Measures (PROMs: The International Outcome Inventory for Hearing Aids, IOI-HA, und Speech, Spatial and Qualities of Hearing Scale, SSQ12). Die statistische Analyse erfolgte mittels Spearman-Korrelation. Auf Basis signifikanter Prädiktoren wurde ein prädiktives Modell mithilfe einer sigmoid-transformierten linearen Regression entwickelt.

Ergebnisse: Die durchschnittliche postoperative Sprachverständlichkeit (WRS65dB) mit der VSB betrug 81,5% (SD=9,0%). Signifikante Korrelationen zeigten sich für das Patientenalter (ρ=–0,63), WRSmax (ρ=0,56) und BCPTA4 (ρ=–0,52). Diese drei Parameter gingen in das finale Vorhersagemodell ein, das eine erklärte Varianz von R²=0,51 (r=0,71, RMSE=6,18, MAE=4,67) erzielte. Die postoperativen PROMs korrelierten mit den objektiven Ergebnissen und bestätigten einen hohen individuellen Nutzen.

Schlussfolgerungen: Alter, präoperatives Sprachverstehen und die cochleäre Reserve sind zentrale Einflussfaktoren der postoperativen Sprachverständlichkeit mit VSB. Das entwickelte Modell erlaubt eine präoperative Einschätzung des zu erwartenden Nutzens und kann die Entscheidungsfindung bei der Indikationsstellung unterstützen. Die Kombination aus objektiven und subjektiven Parametern betont die Bedeutung einer ganzheitlichen Betrachtung in der Hörrehabilitation. Eine weiterführende Validierung des Modells in größeren Patientenkohorten ist geplant.