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28. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Audiologie e. V.

Deutsche Gesellschaft für Audiologie e. V.
04.-06.03.2026
Oldenburg

Meeting Abstract

Ein Vergleich der Wahrnehmung und Alltagsbewertung emotionaler Prosodie bei CI-Tragenden am Anfang der CI-Versorgung und nach Ende der Folgetherapie

Beate Stadler - Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg, Universitätsklinik für Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde, Kopf- und Halschirurgie, Magdeburg, Deutschland
Jan Hots - Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg, Abteilung für Experimentelle Audiologie, Magdeburg, Deutschland
Tereza Vosiková - Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg, Universitätsklinik für Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde, Kopf- und Halschirurgie, Magdeburg, Deutschland
Durisin Martin - Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg, Universitätsklinik für Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde, Kopf- und Halschirurgie, Magdeburg, Deutschland
Markus Meis - Hörzentrum Oldenburg gGmbH, Oldenburg, Deutschland

Text

Die Prosodie ist der im Sprachsignal enthaltene sprecherisch-stimmliche Ausdruck, der neben der semantischen Aussage durch die Wortwahl wirkt, und z.B. den emotionalen Gehalt der Sprechstimme transportiert. Den CI-Tragenden stehen jedoch nur eingeschränkt Merkmale des Sprechschalls zum Hörverstehen zur Verfügung. Dadurch ist die Bedeutungszuschreibung prosodischer Muster schwierig. Das kann zu Fehlinterpretationen und Missverstehen führen.

Zwei Verfahren zur Messung der emotionalen Prosodiewahrnehmung, der „Test zur emotionalen Prosodieperzeption“ (TEPP) und ein Fragebogen zur emotionalen Kommunikation in Hörsituationen („Questionnaire on emotional communication in hearing situations“, EMO-CHeQ) zeigten bereits ihre Eignung in Querschnittstudien bei CI-Tragenden [1]. In dieser Studie geht es um eine Verlaufsmessung im Bereich der CI-Reha, und zwar am Anfang der CI-Versorgung und nach Ende der Folgetherapie.

Die im TEPP verwendeten Stimuli wurden aus einem evaluierten Prosodie-Sprachkorpus entnommen (Wendt, 2007). Dabei handelt es sich um 2-silbige sinnfreie Pseudowörter. Diese wurden von 2 Schauspielern (eine Frau, ein Mann) in den prosodischen Ausdrücken Freude, Trauer, Wut, Angst, Ekel sowie sachlich gesprochen. Die Stimuli wurden den postlingual ertaubten CI-Tragenden direkt über den Sprachprozessor in angenehmer Lautstärke präsentiert. Jeder Prosodie-Stimulus musste hinsichtlich eines von sechs möglichen intendierten emotional prosodischen Ausdrücken zugeordnet werden (one-interval, six-alternative forced-choice paradigm). Der EMO-CHeQ erfasst die subjektive emotionale Prosodieerkennung im Alltag anhand von vier Sub-Skalen und einer Gesamtskala.

Im TEPP lagen die richtigen Zuordnungen über dem Zufallsniveau. Die CI-Tragenden verbesserten sich in der emotionalen Prosodieperzeption, jedoch nicht in dem Umfang wie in den Sprachtests. Im EMO-CHeQ zeigte sich eine Verbesserung der subjektiven emotionalen Prosodieerkennung. Die Ergebnisse der Verlaufskontrolle sollen zukünftig genutzt werden, um die Wahrnehmung von Klangqualitäten bei CI-Tragenden mit einem gezielten Hörtraining zu verbessern.


Literatur

[1] Issing F, Meis M, Stadler B. Erkennung emotionaler Prosodie bei CI-Tragenden und Selbsteinschätzung ihrer Wahrnehmung. In: Deutsche Gesellschaft für Audiologie e. V. und ADANO, editor. 27. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Audiologie und Arbeitstagung der Arbeitsgemeinschaft Deutschsprachiger Audiologen, Neurootologen und Otologen. Göttingen, 19.-21.03.2025. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2025. Doc046.