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28. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Audiologie e. V.

Deutsche Gesellschaft für Audiologie e. V.
04.-06.03.2026
Oldenburg

Meeting Abstract

Zufriedenheit mit Audioprozessoren bei CI-Trägern: Einfluss von Gerätetyp, Modell und Nutzermerkmalen

Mareike Billinger-Finke - MED-EL Elektromedizinische Geräte DE GmbH, CRD, Innsbruck, Österreich
Dorothée B. Hoppe - MED-EL Elektromedizinische Geräte DE GmbH, CRD, Innsbruck, Österreich
Elena Grandelis - MED-EL Elektromedizinische Geräte DE GmbH, CRD, Innsbruck, Österreich
Karin Koinig - MED-EL Elektromedizinische Geräte DE GmbH, CRD, Innsbruck, Österreich
Patrick Connolly - MED-EL Elektromedizinische Geräte DE GmbH, CRD, Innsbruck, Österreich
Ilona Anderson - MED-EL Elektromedizinische Geräte DE GmbH, CRD, Innsbruck, Österreich

Text

Fragestellung: Cochlea-Implantate (CI) werden bisher mit einem externen Audioprozessors (AP) verwendet, was mit Herausforderungen und Verantwortung verbunden sein kann. Die Zufriedenheit mit dem AP ist daher ein zentraler Faktor für die langfristige Nutzung und den Erfolg der Hörrehabilitation. Ziel der Studie war es, eine Referenzkohorte für das Audio Processor Satisfaction Questionnaire (APSQ) zu erstellen und zu untersuchen, wie sich der Audioprozessortyp und die Kombination aus medizinischer Indikation und Hörlösung auf die Zufriedenheit mit dem Audioprozessor auswirken. Zusätzlich wurde der Zusammenhand dieser Faktoren sowie der APSQ-Scores mit die tägliche Nutzungsdauer analysiert.

Methoden: In dieser retrospektiven Analyse wurden Daten von 861 Personen mit CI ausgewertet. Die APSQ-Ergebnisse wurden mittels multivariabler Quantilregression ausgewertet. Um mögliche Zusammenhänge mit der tägliche Nutzungsdauer des Prozessors aufzuzeigen, wurde ein ordinales logistisches Regressionsmodell verwendet. In allen Modellen wurden Unterschiede in Alter, Geschlecht, Versorgungsart und Audioprozessortyp berücksichtigt.

Ergebnisse: Die Gesamtzufriedenheit mit Audioprozessoren war hoch (Median APSQ-Score: 8.8 auf einer Skala von 0 bis 10). Unterschiede zwischen behind-the-ear (BTE)- und off-the-ear (OTE)-Prozessoren waren gering, mit einem signifikanten, aber kleinen Vorteil für OTE-Prozessoren in der Usability (Δ = 0.18 Punkte). Die Kombination aus Indikation und Hörlösung zeigte signifikante Effekte: Im Vergleich zu Personen, die beidseitig ein CI nutzen, berichteten Nutzer mit SSD oder bimodaler Versorgung eine etwas geringere Zufriedenheit. Die tägliche CI-Nutzungsdauer war hoch (76% der Personen gaben an, ihren AP länger als 12 h zu nutzen). Eine längere Nutzungsdauer war signifikante mit einer höheren Zufriedenheit gemäß APSQ assoziiert. Auch die Indikation hatte einen Einfluss auf die tägliche Nutzungsdauer: Im Vergleich zu Personen mit beidseitiger Schwerhörigkeit (BSP-SNHL) hatten SSD-Nutzer ein signifikant höheres Risiko für eine um durchschnittlich 3 Stunden kürzere tägliche CI-Nutzung. Einzelne APSQ-Fragen zeigten Unterschiede zwischen BTE- und OTE-Prozessoren, insbesondere beim gleichzeitigen Tragen von Brillen oder Kopfbedeckungen auf.

Schlussfolgerungen: Die APSQ Ergebnisse zeigen, dass Unterschiede zwischen Prozessorarten und Versorgungsarten zwar statistisch signifikant, aber gering sind. Die Zufriedenheit mit den Audioprozessoren beeinflusst die tägliche CI-Nutzungsdauer. Die Daten liefern eine wertvolle Referenzbasis für zukünftige Studien und Produktentwicklungen. Die kontinuierliche Erfassung der Nutzerzufriedenheit ist essenziell, um individuelle Bedürfnisse bei der Wahl des Audioprozessors zur berücksichtigen, gut beraten zu können und Herausforderungen frühzeitig zu erkennen. Das Wissen, welche Faktoren die Nutzugsdauer beeinflussen, ermöglicht eine gezielte Unterstützung in der Hörrehabilitation.


Literatur

[1] Billinger-Finke M, Bräcker T, Weber A, Amann E, Anderson I, Batsoulis C. Development and validation of the audio processor satisfaction questionnaire (APSQ) for hearing implant users. Int J Audiol. 2020 May;59(5):392-397. DOI: 10.1080/14992027.2019.1697830