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28. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Audiologie e. V.

Deutsche Gesellschaft für Audiologie e. V.
04.-06.03.2026
Oldenburg

Meeting Abstract

Audioqualitätswahrnehmung von normalhörenden und hörbeeinträchtigten Personen in akustisch komplexer Umgebung

Thomas Biberger - Carl von Ossietzky Universität Oldenburg, Medizinische Physik, Oldenburg, Deutschland
Stephan D. Ewert - Carl von Ossietzky Universität Oldenburg, Medizinische Physik, Oldenburg, Deutschland

Text

Fragestellung: Der Einfluss von akustisch komplexen Umgebungen, in denen das Zielsignal von Maskierern und Nachhall überlagert ist, wurde bei hörbeeinträchtigten Personen häufig im Zusammenhang mit Sprachverständlichkeit, nicht aber im Kontext von Audioqualität untersucht. Diese Studie untersucht daher den Einfluss der akustischen Szenenkomplexität auf die Detektionsschwellen und überschwelligen Qualitätsurteile von normalhörenden und hörbeeinträchtigten Personen für unterschiedliche Verzerrungsarten. Es wurde zudem untersucht, ob sich die Hörschwelle als Prädiktor für individuelle Verzerrungs-Detektionsschwellen und Qualitätsurteile eignet.

Methoden: Drei Probandengruppen, 16 jüngere, normalhörende Probanden (YNH) und jeweils 12 ältere Probanden mit leichtem (ON1) und mittlerem Hörverlust (ON3) nahmen teil. Zur Kompensation des Hörverlusts wurde NAL-R angewandt. Die Detektionsschwellen wurden über ein 3-alternative-forced-choice Paradigma bestimmt und Qualitätsurteile wurden über ein MUSHRA-ähnliches Verfahren gemessen. Um die Szenenkomplexität zu variieren, wurden zwei Räume die sich in Größe und Nachhallzeit (T60 von 0.5 s und 1.5 s) unterschieden simuliert, sowie die Anzahl und die räumliche Verteilung der Maskierer verändert. Das Zielsignal war in den meisten Fällen ein Sprachsignal. Die Maskierer bestanden aus Sprache und Musik. Die Verzerrungsarten waren nichtlineare Verzerrungen, spektrale Färbung, Pegelveränderungen und räumliche Positionsveränderungen. Die Signale wurden über Kopfhörer dargeboten.

Ergebnisse: Für die Gruppe der YNH wurden die niedrigsten Detektionsschwellen beobachtet. Mit Ausnahme von nichtlinearen Verzerrungen wurden ohne Maskierer ähnliche Verzerrungsdetektionsschwellen für ON1 und ON3 gemessen, mit teilweise nur geringen Unterschieden zu YNH. Die größten Gruppenunterschiede wurden mit Maskierern beobachtet. Mit steigender Hörbeeinträchtigung wurde ein Anstieg in den Detektionsschwellen beobachtet. Bei den Qualitätsurteilen der verzerrten Signale mit Maskierern zeigten YNH- und ON1-Probanden ähnliche Ergebnisse, die sich aber deutlich von den Ergebnissen der ON3-Probanden unterschieden.

In Situationen mit Maskierern wurden zudem signifikante Korrelationen zwischen den Hörschwellen und den Verzerrungsdetektionsschwellen festgestellt. In Situationen ohne Maskierer wurde dies nur für nichtlineare Verzerrungen festgestellt.

Schlussfolgerung: Hörbeeinträchtigte Probanden mit Hörverlustkompensation sind ohne Maskierer für Pegel- und Färbungsverzerrungen ähnlich sensitiv wie normalhörende Probanden. Die Empfindlichkeit für nichtlineare Verzerrungen nimmt mit steigender Hörbeeinträchtigung jedoch ab.

Der Einfluss des Hörverlusts macht sich besonders in Anwesenheit von Maskierern bemerkbar, da eine Trennung von Zielsignal und Maskierer mit steigendem Hörverlust vermutlich schwieriger wird.

Insgesamt ist die Audioqualität von Hörgerätealgorithmen eine wichtige Größe, insbesondere bei leichtem Hörverlust.