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28. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Audiologie e. V.

Deutsche Gesellschaft für Audiologie e. V.
04.-06.03.2026
Oldenburg

Meeting Abstract

Diffusion-Tensor Bildgebung (DTI) zur Untersuchung von Veränderungen der Hörbahn bei Kandidaten für ein Cochlea Implantat

Jörg Stadler - Leibniz Institut für Neurobiologie, Magdeburg, Deutschland
Tereza Vosiková - Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg, Universitätsklinik für Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde, Kopf- und Halschirurgie, Magdeburg, Deutschland
Beate Stadler - Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg, Universitätsklinik für Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde, Kopf- und Halschirurgie, Magdeburg, Deutschland
Nicole Angenstein - Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg, Universitätsklinik für Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde, Kopf- und Halschirurgie, Magdeburg, Deutschland

Text

Fragestellung: Durch Hörminderung und Taubheit kommt es zu Veränderungen der neuronalen Verknüpfungen im auditorischen System. Mittels Diffusions-Tensor Bildgebung (DTI) kann die Integrität der weißen Substanz im Gehirn untersucht werden. Eine Veränderung der DTI-Werte gibt Hinweise auf Veränderungen der Myelinisierung bzw. Anzahl der Axone. Studien weisen darauf hin, dass diese Veränderungen in verschiedenen Schaltstationen des auditorischen Systems mit Hörfähigkeiten korrelieren [1]. Mit der vorliegenden Studie wurde untersucht, in welchen Bereichen zwischen dem Colliculus inferior und dem Hörkortex die weiße Substanz der Hörbahn bei Erwachsenen mit Hörbeeinträchtigungen verändert ist und ob es seitenspezifische Unterschiede bei asymmetrischem Hörverlust gibt.

Methoden: Kandidaten für ein Cochlea Implantat (CI) und normalhörende Erwachsene mit ähnlicher Altersverteilung wurden in einem 3 Tesla MRT Scanner mit einer 32-Kanalspule gemessen. Es wurde ein T1-gewichteter anatomischer 3D-Datensatz (192 Schichten, 1x1x1 mm Auflösung) und Diffusionsdaten mit 64 Diffusions-sensitiven Gradientenrichtungen (b = 1000 s/mm2, 60 Schichten, 2x2x2 mm Auflösung) aufgenommen. Fibertracking wurde für die Verbindung vom inferioren Colliculus zum primären auditorischen Kortex für jeden Teilnehmenden separat für die linke und rechte Hemisphäre durchgeführt. Die Tracks wurden in 50 Abschnitte unterteilt und für diese wurden fraktionale Anisotropie (FA) und mittlere (MD), radiale (RD) und axiale Diffusivität (AD) berechnet.

Ergebnisse: Die FA-Werte sind besonders in Bereichen in der Nähe zum Hörkortex bei den 30 CI-Kandidaten signifikant geringer als bei den normalhörenden Kontrollprobanden. In einzelnen Abschnitten waren die AD-Werte bei den CI-Kandidaten verringert und die RD-Werte erhöht. Die Bereiche mit Unterschieden zwischen den Gruppen waren in der linken und rechten Hemisphäre unterschiedlich verteilt.

Schlussfolgerungen: Bei starker Hörbeeinträchtigung zeigt sich eine veränderte Integrität der Hörbahn, die daraufhin deutet, dass die Stärke der Verbindungen reduziert und damit die Informationsweiterleitung zum Hörkortex beeinträchtigt ist. Diese präoperativen Veränderungen könnten neben anderen Ursachen ein Grund für das unterschiedliche Sprachverstehen nach einer CI-Implantation sein.


Literatur

[1] Tarabichi O, Kozin ED, Kanumuri VV, Barber S, Ghosh S, Sitek KR, Reinshagen K, Herrmann B, Remenschneider AK, Lee DJ. Diffusion Tensor Imaging of Central Auditory Pathways in Patients with Sensorineural Hearing Loss: A Systematic Review. Otolaryngol Head Neck Surg. 2018 Mar;158(3):432-442. DOI: 10.1177/0194599817739838