28. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Audiologie e. V.
28. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Audiologie e. V.
Entwicklung und Evaluation eines standardisierten Schulungsprogramms für das medizinische Fachpersonal im Neugeborenen-Hörscreening – Ergebnisse aus der Hamburger Umsetzung und Perspektiven für die nationale Skalierung
Text
Zur Qualitätssicherung im Neugeborenen-Hörscreening (NHS) ist ein strukturierter Kompetenzerwerb des Fachpersonals essenziell. Vor diesem Hintergrund wurde unter dem Dach des Verbands Deutscher Hörscreening-Zentralen (VDHZ) ein standardisiertes, digital unterstütztes Schulungsprogramm entwickelt. Ziel ist die DEweite Verfügbarkeit eines modularen, evidenzbasierten Fortbildungsangebots. Es richtet sich an medizinisches Fachpersonal in Geburtseinrichtungen und Screening-Zentralen.
Das Fortbildungsangebot wurde nach den Qualitätsvorgaben der PAS 1032-1 [1] iterativ entwickelt, mit der Lernplattform Moodle umgesetzt und kombiniert multimediale Lerneinheiten, ergänzende Materialien, eine Abschlussprüfung sowie 24 praktische Übungen zur eigenständigen Durchführung. Die Inhalte wurden unter Beteiligung von Fachgremien und aktiven Nutzergruppen entwickelt und mehrfach überarbeitet. Die NHS-Schulung wurde im Rahmen eines strukturierten Promotionsprojekts an der Universität zu Lübeck in der Hamburger NeST-Zentrale pilotiert (Beta-Version 2.0).
Die Evaluation erfolgt mithilfe eines Mixed-Methods-Ansatzes. Für die quantitative Erhebung wurden standardisierte IEBL-Fragebögen (Inventar zur Evaluation von Blended Learning) [2] eingesetzt, um Aspekte wie didaktische Qualität, Nutzerfreundlichkeit, Beanspruchung und soziale Einbindung systematisch zu erfassen. Zusätzlich wurden qualitative Freitextangaben nach Mayring inhaltsanalytisch ausgewertet, um Rückschlüsse auf subjektive Lernerfahrungen, offene Wünsche und Verbesserungsvorschläge zu ziehen.
Die Rückmeldungen von Mitarbeitenden aus Hörscreening-Zentralen sowie dem medizinischen Personal der Hamburger Pilotgruppe zeigen eine insgesamt hohe Bewertung der didaktischen Qualität (> 5 auf 6er-Skala), der Nutzerfreundlichkeit sowie der Akzeptanz digitaler Lernformate. Unterschiede zeigten sich insbesondere bei der Bewertung des sozialen Austauschs, der vom medizinischen Personal als unzureichend empfunden wurde (M=2,9), während er von den Mitarbeitenden der Screeningzentralen deutlich positiver beurteilt wurde (M=4,0–4,6). Die wahrgenommene Beanspruchung wurde als weder zu schwer noch zu leicht beschrieben (M≈3) und der allgemeine Nutzen als hoch (M≈4,6).
Die Ergebnisse verdeutlichen die Machbarkeit und Relevanz eines bundesweit einsetzbaren E-Learning-Angebots zur Standardisierung der NHS-Schulung. Der modulare Aufbau, die Verknüpfung von Theorie, Praxis und Reflexion sowie der Einsatz interaktiver Formate bieten eine belastbare Grundlage für die nationale Skalierung. Herausforderungen bestehen vor allem in der Integration sozialer Austauschformate, der Anpassung an Flächenländer und der nachhaltigen Einbindung regionaler Kooperationsstrukturen. Die dargestellten Erkenntnisse stammen aus einem laufenden Promotionsprojekt der Erstautorin an der Universität zu Lübeck [3].
Literatur
[1] DIN Media GmbH. PAS 1032-1:2004-02. Aus- und Weiterbildung unter besonderer Berücksichtigung von e-Learning. 2004. Verfügbar unter: https://www.dinmedia.de/de/technische-regel/pas-1032-1/71254176[2] Peter J, et al. Das Inventar zur Evaluation von Blended Learning (IEBL). Psychologiedidaktik und Evaluation X. Aachen: Shaker; 2014. p. 275–282.
[3] Meier S. Entwicklung und Evaluation eines standardisierten Schulungsprogramms für das medizinische Fachpersonal im Neugeborenen-Hörscreening [Dissertation i. Vorb.]. Lübeck: Universität zu Lübeck.



