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28. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Audiologie e. V.

Deutsche Gesellschaft für Audiologie e. V.
04.-06.03.2026
Oldenburg

Meeting Abstract

Digitalisierte Erfassung von Aussprachestörungen bei Kindern mit Hörschädigung – Perspektiven für die logopädische Versorgung

Sybille Seybold - Jade Hochschule Oldenburg, Technik und Gesundheit für Menschen, Oldenburg, Deutschland
Karolin Schäfer - Jade Hochschule Oldenburg, Technik und Gesundheit für Menschen, Oldenburg, Deutschland
Alina Ernst - Jade Hochschule Oldenburg, Technik und Gesundheit für Menschen, Oldenburg, Deutschland

Text

Inhalt/Ziel/Fragestellung: Für Kinder mit Hörschädigung bestehen auf phonetisch-phonologischer Sprachebene vulnerable Sprachbereiche, wie z.B. das Auslassen finaler Konsonanten [1] oder die Bildung frikativer Laute, bei denen häufig, u.a. abhängig vom Hörverlust, Herausforderung auftreten können. Phonetische Störungen umfassen das Fehlbilden von Lauten oder Lautverbindungen. Bei phonologischen Aussprachestörungen werden Sprachlaute nicht entsprechend des Lautsystems verwendet, jedoch oft isoliert korrekt gebildet. Treten beide Aussprachestörungen gemeinsam auf, spricht man von einer phonetisch-phonologischen Aussprachestörung [2].

Die systematische phonetisch-phonologische Analyse im Rahmen einer sprachtherapeutischen Diagnostik ist besonders bei komplexen Aussprachestörungen zeitintensiv. Eine Verbindung der erhobenen Daten zur Aussprache mit audiometrischen Ergebnissen erfolgt in bisherigen Diagnostiktools zudem nicht standardisiert.

Der Vortrag verweist auf das Forschungsprojekt KiSSHoer und veranschaulicht konkrete Anwendungsmöglichkeiten, wie Aussprachestörungen bei Kindern mit Hörschädigung durch ein digitalisiertes Auswertungsverfahren in der Diagnostik ermittelt werden können, welche Möglichkeiten das Vorgehen bieten kann, aber auch welche Grenzen gesehen werden. Hierzu wird Bezug auf die aktuelle Versorgungssituation mit langen Wartezeiten für ambulante logopädische Therapieplätze genommen [3].

Methode: Es erfolgen eine theoretische Einführung sowie ein Überblick über den aktuellen Forschungsstand zu phonetisch-phonologischen Ausspracheschwierigkeiten von Kindern mit Hörschädigung und zu verwendeten Diagnostikverfahren anhand von klinischen Beispielen Die Anwendung wird vor dem Hintergrund der aktuellen Versorgungssituation von Kindern in logopädischen Praxen diskutiert.

Ergebnisse: Die Verknüpfung von Ergebnissen einer digitalisierten Aussprachdiagnostik mit audiometrischen Daten zeigt auf, welche positiven Informationen für die logopädische Behandlung geboten werden können. Gleichzeitig kann die Analyse von Aussprachestörungen auch auf den Bedarf audiometrischer Abklärung hinweisen.

Schlussfolgerung: Phonetisch-phonologische Sprachbereiche, die bei Hörschädigungen besonders vulnerabel sind, können bei Weiterentwicklung des digitalisierten Diagnostiktools (KiSSHoer – Kindersprachscreening bei Hoerstoerungen) mit geringem Zeitbedarf überprüft und die Ergebnisse für die weitere Förderplanung genutzt werden. Ein digitalisiertes, automatisiertes Diagnostikverfahren zur Erfassung kindlicher Aussprachestörungen kann somit perspektivisch durch eine vereinfachte Auswertung entlasten und in die Behandlungsplanung durch differenzierte Diagnostikergebnisse unterstützen.


Literatur

[1] Sander B, Penke M. Therapie nach dem Programm "TraFiK" bei Kindern mit Hörschädigung. Logos. 2025;33(3):164-172.
[2] S3-Leitlinie Therapie von Sprachentwicklungsstörungen. AWMF; 2022.
[3] Leder S. Versorgungsstrategien in der ambulanten Logopädie. forum:logopädie. 2025;39(7):22-27.