Logo

28. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Audiologie e. V.

Deutsche Gesellschaft für Audiologie e. V.
04.-06.03.2026
Oldenburg

Meeting Abstract

Neugeborenenhörscreening mit integrierter Erstdiagnostik – Potenziale moderner Screening-Technologien

Katrin Neumann - Universitätsklinik Münster, Klinik für Phoniatrie und Pädaudiologie, Münster, Deutschland
Shabnam Shahpasand - Universitätsklinik Münster, Klinik für Phoniatrie und Pädaudiologie, Münster, Deutschland
Andreas Radeloff - Evangelisches Krankenhaus Oldenburg, Universitätsklinik für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Oldenburg, Deutschland
Lukas Prein - Universitätsklinik Münster, Klinik für Phoniatrie und Pädaudiologie, Münster, Deutschland
Arne Knief - Universitätsklinik Münster, Klinik für Phoniatrie und Pädaudiologie, Münster, Deutschland

Text

Hintergrund: Konventionelle Verfahren des Neugeborenenhörscreenings sind mit zwei wesentlichen Limitationen behaftet: einer eingeschränkten Anwendbarkeit bei erhöhtem Umgebungsgeräusch und dem Fehlen frequenzspezifischer Informationen. Moderne Screening-Technologien adressieren beide Einschränkungen durch innovative Noise-Cancellation-Algorithmen sowie durch die Integration frequenzspezifischer ASSR-Messungen (auditory steady-state responses). Ziel der Studie NewScreen ist es, die Validität eines OAE-basierten Neugeborenenhörscreenings mit Noise-Cancellation-Technologie zu prüfen und zugleich die Machbarkeit und diagnostische Aussagekraft eines ASSR-Screenings zu evaluieren, das simultan drei Frequenzbereiche in einem Kurztest erfasst. Hier werden erste ASSR-Screening-Ergebnisse mit denen von AABR-Messungen verglichen, und ihr Potenzial für eine sofortige Erstdiagnostik wird aufgezeigt.

Methoden: Sechsunddreißig Neugeborene erhielten bislang entweder ein primäres Neugeborenenhörscreening oder ein Kontrollscreening nach auffälligem Vorbefund sowohl mit ASSR-Messungen mit dem Next-Generation-Screeninggerät QScreen (Otovest) als auch vergleichend mit dem etablierten System Sentiero (Path Medical). Analysiert wurden Screening-Resultate und diagnostische Aussagekraft hinsichtlich der frühen Einordnung kongenitaler Hörstörungen.

Ergebnisse: Erwartungsgemäß zeigt sich eine hohe Übereinstimmung der Screening-Ergebnisse in den mittleren und hohen ASSR-Frequenzbändern und im tiefen eine höhere Auffälligkeitsrate mit dem ASSR- gegenüber dem AABR-Verfahren. Die Ergebnisse des ASSR-Screenings für die Frequenzbereiche tief, mittel und hoch zeigen den Zusammenhang zum AABR-Screening (Chi2-Test: tief chi2 = 6,4 p = 0,011; mittel chi2 = 13,0 p = 0,0003; hoch chi2 = 22,5 p < 0,0001). Hingegen kann dieser Zusammen zwischen dem ASSR-Screening und den Tympanogrammergebnissen nicht nachgewiesen werden (Chi-Quadrat-Test: tief chi2 = 1,6 p = 0,20; mittel chi2 = 1,8 p = 0,18; hoch chi2 = 5,0 p = 0,025). Die ASSR-Messungen erlaubten allerdings bereits im Screeningkontext erste differenzialdiagnostische Aussagen.

Schlussfolgerung: Die Ergebnisse des ASSR-Neugeborenenhörscreenings stimmen im erwarteten Frequenzbereich gut mit denen eines AABR-Verfahrens überein. Die Gewinnung frequenzspezifischer ASSR-Schwellen erlaubt eine frühzeitige hördiagnostische Einschätzung und stellt einen substanziellen Fortschritt gegenüber etablierten Screeningverfahren dar.