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28. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Audiologie e. V.

Deutsche Gesellschaft für Audiologie e. V.
04.-06.03.2026
Oldenburg

Meeting Abstract

Hörverlust sichtbar machen: Wege aus dem Stigma

Maren Stropahl - Sonova AG, Forschung und Entwicklung, Stäfa, Schweiz
Barbra Timmer - Sonova AG, Forschung und Entwicklung, Stäfa, Schweiz; University of Queensland, Centre for Hearing Research (CHEAR), Brisbane, Australien
Katie Ekberg - University of Queensland, Centre for Hearing Research (CHEAR), Brisbane, Australien; Flinders University, Adelaide, Australien
Louise Hickson - University of Queensland, Centre for Hearing Research (CHEAR), Brisbane, Australien
Nerina Scarinci - University of Queensland, Centre for Hearing Research (CHEAR), Brisbane, Australien
Monique Waite - University of Queensland, Centre for Hearing Research (CHEAR), Brisbane, Australien
Carly Meyer - University of Queensland, Centre for Hearing Research (CHEAR), Brisbane, Australien
Mansoureh Nickbakht - University of Queensland, Centre for Hearing Research (CHEAR), Brisbane, Australien

Text

Einleitung: Stigmatisierung stellt ein wesentliches Hindernis für eine rechtzeitige Hörversorgung dar. Ihre sozialen Dynamiken sind bislang jedoch nicht vollständig verstanden. Eine aktuell publizierte Reihe von Studien untersuchte, wie Erwachsene mit Hörverlust, ihre Familien sowie Hörakustikerinnen und Hörakustiker Stigmatisierung wahrnehmen und erleben. Ziel war es, die Erfahrungen von Erwachsenen mit Hörverlust, deren Familien sowie Hörakustikerinnen und Hörakustikern zu erfassen und die Rolle von Offenlegung („Disclosure“) als Bewältigungsstrategie zu beleuchten [1].

Methoden: Die Forschung erfolgte in zwei Phasen. Eine qualitative Phase mit Interviews, Befragungen und Ecological Momentary Assessment, sowie Videoaufzeichnungen von Gesprächen mit 20 Erwachsenen mit Hörverlust (mit und ohne Hörgeräte), deren Angehörigen sowie 25 Hörakustiker:innen. Es folgte eine quantitative Phase mit einer Online-Befragung von 331 Erwachsenen mit Hörverlust und 313 Angehörigen in Australien, den USA und Großbritannien. Erhoben wurden Wahrnehmungen von Stigma, stereotype Zuschreibungen und Erfahrungen im Alltag.

Ergebnisse: Die Ergebnisse der Studien zeigen, dass Stigmatisierung situationsabhängig auftritt, eng mit Altersstereotypen verknüpft ist und in Bezug auf den Hörverlust selbst stärker empfunden wird als in Bezug auf Hörgeräte. Besonders bedeutsam ist, dass sich Offenlegung als eine zentrale Bewältigungsstrategie bewähren könnte, die mit weniger Stigmatisierung in der Studie einherging. Eine weitere Erkenntnis waren die unterschiedlichen Perspektiven: Erwachsene mit Hörverlust berichten stärker über Stigma im Zusammenhang mit dem Hörverlust selbst, während Hörakustiker:innen den Fokus auf Hörgeräte legen. Moderne Hörgeräte wurden von Betroffenen hingegen überwiegend positiv bewertet (diskret, nützlich, technologisch fortschrittlich). Die Studie unterstreicht die Notwendigkeit, Hörgeräte als diskrete und befähigende Technologien neu zu definieren und klinische Gespräche zu fördern, die Offenlegung normalisieren, um Stigmatisierung zu reduzieren und den Rehabilitationserfolg zu unterstützen zu können.

Schlussfolgerung: Die Ergebnisse unterstreichen die Notwendigkeit, Hörgeräte als diskrete und befähigende Technologien neu zu definieren und klinische Gespräche zu fördern, die Offenlegung normalisieren. Dies kann helfen, negative Stereotype zu durchbrechen, Stigmatisierung zu reduzieren und den Rehabilitationserfolg zu verbessern.


Literatur

[1] Ekberg K, Hickson L. To tell or not to tell? Exploring the social process of stigma for adults with hearing loss and their families: introduction to the special issue. Int J Audiol. 2025 Apr;64(sup1):S1-S11. DOI: 10.1080/14992027.2023.2293651