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28. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Audiologie e. V.

Deutsche Gesellschaft für Audiologie e. V.
04.-06.03.2026
Oldenburg

Meeting Abstract

Präzisionsaudiometrie zur Evaluation bei einseitiger Taubheit

Ulrich Hoppe - Universitätsklinikum Erlangen, HNO/Audiologie, Erlangen, Deutschland
Anne Hast - Universitätsklinikum Erlangen, HNO/Audiologie, Erlangen, Deutschland
Frank Digeser - Universitätsklinikum Erlangen, HNO/Audiologie, Erlangen, Deutschland

Text

Die einseitige Taubheit (single sided deafness, SSD) mit kontralateralem Normalgehör ist der extremste Fall der asymmetrischen Schwerhörigkeit. Über viele Jahre wurde die SSD nicht versorgt. Allenfalls wurde mit Hilfe von CROS-Hörsystemen (contralateral routing of signals) versucht, den Kopfschatten in zu kompensieren. Seit der Einführung der Cochlea-Implantat-Versorgung (CI-Versorgung) bei SSD ist eine differenzierte und präzisere Audiometrie erforderlich, um einerseits die Probleme darzustellen und anderseits bei erfolgter Versorgung mit CROS-Systemen oder CI-Systemen Verbesserungen aufzuzeigen. Ziel der Studie war die Untersuchung der Anwendbarkeit klinisch üblicher Verfahren in der audiologischen Evaluation bei einseitiger Taubheit. Insbesondere sollte die präzise Messung der Sprachverständlichkeitsschwelle mit konventionellen Verfahren verglichen werden.

Hierzu wurden sprachaudiometrische Messungen in Ruhe und im Störgeräusch an 61 Menschen (29 Männer, 32 Frauen, Alter=49 ± 13 Jahre) mit einseitiger Taubheit analysiert. Die Ertaubungsdauer lag zwischen 0,5 und 55 Jahren. Im Median war diese 1 Jahr. Es wurde das prozentuale Sprachverstehen im Freiburger Einsilbertest (FBE) bei + 5 dB SNR als auch die binauralen Sprachverständlichkeitsschwellen (SVS) im Göttinger Satztest (GöSa) jeweils mit und ohne CROS-Hörgerät ermittelt. Das Sprachsignal wurde frontal präsentiert; die Präsentation des Störsignals erfolgte von frontal (S0N0) [A], von der ertaubten Seite (S0NSSD) [B] und von der normalhörigen Seite (S0NNH) [C]. Durch den Vergleich der Messungen kann der Einfluss der kopfbedingten Schallabschwächung bestimmt werden. Dabei stellt C die schwierigste (schlechteste), A die etwas einfachere und B die einfachste (beste) Situation dar.

Der FBE verbesserte sich im Mittel von C zu A um 19,7%-Punkte und von A zu B um 21,5%-Punkte. Im Einzelfall verschlechterten sich von C zu A 14% und von A zu B 0% der Testpersonen. Signifikante Verbesserungen wurden in beiden Vergleichen für 44% der Testpersonen gefunden.

Der GöSa verbesserte sich von C zu A um 2,7 dB SNR und von A zu B um 5,4 dB SNR. Im Einzelfall verschlechterten sich jedoch 13% der Personen von C zu A. Signifikante Verbesserungen wurden von C zu A für 60% gefunden und für 98% von A zu B. Die Kompensation des Kopfschattens durch CROS-Versorgung sind maximal für die Situation C. Hier wurden im Mittel im FBE 42%-Punkte Verbesserung beobachtet und beim GöSa im Mittel Verbesserungen der SVS um 8,2 dB. Beide Tests ergaben für alle Testpersonen Verbesserungen.

Bereits bei diesen klaren akustischen Verhältnissen ist der FBE im Einzelfall nicht immer geeignet, um das Sprachverstehen zu erfassen. Die FBE-Messungen liefern im Mittel reliable und gut interpretierbare Ergebnisse, sie führen sie im Einzelfall aufgrund der größeren Streuung zu falschen Ergebnissen. Die präzisen SVS-Messungen sind daher besser für die Vergleiche der unterschiedlichen Hörsituationen bei SSD geeignet.