<?xml version="1.0" encoding="iso-8859-1" standalone="no"?>
<!DOCTYPE GmsArticle SYSTEM "http://www.egms.de/dtd/2.0.34/GmsArticle.dtd">
<GmsArticle xmlns:xlink="http://www.w3.org/1999/xlink">
  <MetaData>
    <Identifier>26rg02</Identifier>
    <IdentifierDoi>10.3205/26rg02</IdentifierDoi>
    <IdentifierUrn>urn:nbn:de:0183-26rg024</IdentifierUrn>
    <ArticleType>Meeting Abstract</ArticleType>
    <TitleGroup>
      <Title language="de">(Neben)Wirkungen der SGLT-2-Inhibitoren und GLP-1-Analoga</Title>
    </TitleGroup>
    <CreatorList>
      <Creator>
        <PersonNames>
          <Lastname>Ziemssen</Lastname>
          <LastnameHeading>Ziemssen</LastnameHeading>
          <Firstname>Focke</Firstname>
          <Initials>F</Initials>
        </PersonNames>
        <Address>
          <Affiliation>Leipzig</Affiliation>
        </Address>
        <Creatorrole corresponding="no" presenting="no">author</Creatorrole>
      </Creator>
    </CreatorList>
    <PublisherList>
      <Publisher>
        <Corporation>
          <Corporatename>German Medical Science GMS Publishing House</Corporatename>
        </Corporation>
        <Address>D&#252;sseldorf</Address>
      </Publisher>
    </PublisherList>
    <SubjectGroup>
      <SubjectheadingDDB>610</SubjectheadingDDB>
    </SubjectGroup>
    <DatePublishedList>
      <DatePublished>20260910</DatePublished>
    </DatePublishedList>
    <Language>germ</Language>
    <License license-type="open-access" xlink:href="http://creativecommons.org/licenses/by/4.0/">
      <AltText language="en">This is an Open Access article distributed under the terms of the Creative Commons Attribution 4.0 License.</AltText>
      <AltText language="de">Dieser Artikel ist ein Open-Access-Artikel und steht unter den Lizenzbedingungen der Creative Commons Attribution 4.0 License (Namensnennung).</AltText>
    </License>
    <SourceGroup>
      <Meeting>
        <MeetingId>M0658</MeetingId>
        <MeetingSequence>02</MeetingSequence>
        <MeetingCorporation>Retinologische Gesellschaft</MeetingCorporation>
        <MeetingName>38. Jahrestagung der Retinologischen Gesellschaft</MeetingName>
        <MeetingTitle></MeetingTitle>
        <MeetingSession>Diabetische Retinopathie&#47;Vaskul&#228;re Erkrankungen</MeetingSession>
        <MeetingCity>Badenweiler</MeetingCity>
        <MeetingDate>
          <DateFrom>20260703</DateFrom>
          <DateTo>20260704</DateTo>
        </MeetingDate>
      </Meeting>
    </SourceGroup>
    <ArticleNo>26rg02</ArticleNo>
  </MetaData>
  <OrigData>
    <TextBlock name="Text" linked="yes">
      <MainHeadline>Text</MainHeadline><Pgraph><Mark1>Ziel:</Mark1> Ziel des Vortrags ist eine ausgewogene, evidenzbasierte Einordnung der okul&#228;ren Wirkungen und Nebenwirkungen moderner Antidiabetika der Klassen SGLT-2-Inhibitoren (Gliflozine) und GLP-1-Rezeptoragonisten (einschlie&#223;lich Dual- und Triple-Agonisten). Im Zentrum steht die Frage, wie das vieldiskutierte Sicherheitssignal einer nicht-arteriitischen anterioren isch&#228;mischen Optikusneuropathie (NAION) unter Semaglutid vor dem Hintergrund des belegten systemischen und retinalen Therapienutzens zu bewerten ist und welche Konsequenzen sich f&#252;r die klinische Praxis ergeben.</Pgraph><Pgraph><Mark1>Methode:</Mark1> Es erfolgte eine strukturierte &#220;bersicht der aktuellen Fachliteratur (Web-of-Science-Abfrage vom 28.06.2026: &#252;ber 200 Publikationen innerhalb von 24 Monaten), darunter Originalarbeiten, Kohorten- und Registerstudien, systematische Reviews, Konsensus-Statements sowie regulatorische Stellungnahmen. Ber&#252;cksichtigt wurden die mechanistischen Grundlagen beider Substanzklassen, die zentralen NAION-Studien (Hathaway et al. 2024, Cai et al. 2025, Abbass et al. 2025, Grauslund et al. 2025, Simonsen et al. 2024, Niazi et al. 2026), regulatorische Bewertungen (EMA&#47;PRAC 2025) sowie das gemeinsame Konsensus-Statement von NANOS und AAO (DeParis et al. 2026). Erg&#228;nzend wurden Daten zu diabetischer Retinopathie, diabetischem Makula&#246;dem, Glaukom, Uveitis und AMD ausgewertet (u. a. Shah et al., Hong et al., Muayad et al., Lin et al., Allan et al.). Methodische Aspekte der &#252;berwiegend retrospektiven Beobachtungsdaten, insbesondere Propensity-Score-Matching sowie m&#246;gliche Selektions- und Indikationsbias, wurden kritisch ber&#252;cksichtigt.</Pgraph><Pgraph><Mark1>Ergebnis:</Mark1> Beide Substanzklassen zeigen einen erheblichen systemischen Nutzen (Gewichtsreduktion, HbA1c-Senkung, kardiovaskul&#228;re und renale Protektion). F&#252;r die Netzhaut ergeben sich &#252;berwiegend neutrale bis protektive Effekte: SGLT-2-Inhibitoren wirken in der fr&#252;hen Pathogenese der diabetischen Retinopathie g&#252;nstig (HR 0,84 f&#252;r sehkraftbedrohende DR; HR 0,77 f&#252;r diabetisches Makula&#246;dem); GLP-1-RA, insbesondere Tirzepatid, zeigen ein konsistent niedrigeres DR-Risiko gegen&#252;ber Lifestyle (Risk Ratios 0,37 bis 0,86 &#252;ber mehrere Endpunkte). Ein Wirkstoff-Unterschied bei sehkraftbedrohender DR lie&#223; sich zwischen den GLP-1-RA nicht belegen.</Pgraph><Pgraph>Das NAION-Signal betrifft im Wesentlichen Erfahrungen mit Semaglutid. Der initiale Bericht (Hathaway et al., HR 4,3 bei Typ-2-Diabetes bzw. 7,6 bei &#220;bergewicht) wurde durch nachfolgende Untersuchungen relativiert: mehrere gro&#223;e Kohorten zeigten keinen oder nur einen geringen Effekt (Cai et al. ohne Unterschied zu Vergleichssubstanzen; Abbass et al. mit Risk Ratios um bzw. unter 1). Skandinavische Daten best&#228;tigen eine etwa verdoppelte Inzidenz (Simonsen et al. HR 2,81; Grauslund et al.). Die d&#228;nische Nested-Case-Control-Analyse (Niazi et al.) zeigte eine zeitabh&#228;ngige Assoziation mit h&#246;chstem Risiko nach 6 bis 18 Monaten kumulativer Exposition (HR bis 3,6). Entscheidend ist aber die Einordnung des absoluten Risikos: NAION ist mit einer Inzidenz von etwa 2,3 bis 10,2 pro 100.000 Personenjahre sehr selten. Die EMA&#47;PRAC stuft NAION als sehr seltene Nebenwirkung ein und empfiehlt ein Absetzen bei best&#228;tigter NAION, w&#228;hrend NANOS&#47;AAO eine individuelle Beratung (shared decision-making) anstelle eines generellen Absetzens favorisieren.</Pgraph><Pgraph>Substanzunabh&#228;ngig bleibt das Ph&#228;nomen des &#34;Early Worsening&#34; bei rascher HbA1c-Senkung (gr&#246;&#223;er 2 Prozent) von hohem Ausgangswert und vorbestehender Retinopathie relevant; ma&#223;geblich ist der Augenstatus bei Therapiebeginn, nicht der Wirkstoff. </Pgraph><Pgraph><Mark1>Schlussfolgerung:</Mark1> Der okul&#228;re Nutzen-Risiko-Quotient der SGLT-2-Inhibitoren und GLP-1-Analoga f&#228;llt insgesamt klar zugunsten der Therapie aus. Das NAION-Signal unter Semaglutid ist real, in der relativen Gr&#246;&#223;e jedoch aber wahrscheinlich &#252;bersch&#228;tzt und bei sehr niedrigem absolutem Risiko klinisch begrenzt relevant. Statt eines reflexhaften Absetzens sind eine individuelle Nutzen-Risiko-Abw&#228;gung, gezielte Aufkl&#228;rung von Risikopatienten (Zustand nach NAION, einseitiger Visusverlust), eine Funduskontrolle vor Therapieintensivierung sowie eine schrittweise Glukosesenkung angezeigt. Ma&#223;volle Wachsamkeit, nicht Alarmismus, ist die angemessene Haltung.</Pgraph></TextBlock>
    <Media>
      <Tables>
        <NoOfTables>0</NoOfTables>
      </Tables>
      <Figures>
        <NoOfPictures>0</NoOfPictures>
      </Figures>
      <InlineFigures>
        <NoOfPictures>0</NoOfPictures>
      </InlineFigures>
      <Attachments>
        <NoOfAttachments>0</NoOfAttachments>
      </Attachments>
    </Media>
  </OrigData>
</GmsArticle>