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    <ArticleType>Vortrag</ArticleType>
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      <Title language="de">Relevanz der genetischen Diagnostik bei schwerster Sprachentwicklungsst&#246;rung mit autistischen Z&#252;gen</Title>
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        <Address>Unimedizin Mainz, Schwerpunkt Kommunikationsst&#246;rungen, HNO-Klinik, Mainz, Deutschland<Affiliation>Unimedizin Mainz, Schwerpunkt Kommunikationsst&#246;rungen, HNO-Klinik, Mainz, Deutschland</Affiliation></Address>
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      <DatePublished>20260826</DatePublished>
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      <AltText language="en">This is an Open Access article distributed under the terms of the Creative Commons Attribution 4.0 License.</AltText>
      <AltText language="de">Dieser Artikel ist ein Open-Access-Artikel und steht unter den Lizenzbedingungen der Creative Commons Attribution 4.0 License (Namensnennung).</AltText>
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        <MeetingCorporation>Deutsche Gesellschaft f&#252;r Phoniatrie und P&#228;daudiologie</MeetingCorporation>
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        <MeetingTitle>42. Wissenschaftliche Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft f&#252;r Phoniatrie und P&#228;daudiologie (DGPP)</MeetingTitle>
        <MeetingSession>Sprechen und Sprache (inkl. Sprachentwicklungsst&#246;rungen): Therapie und KI</MeetingSession>
        <MeetingCity>Starnberg</MeetingCity>
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          <DateTo>20260919</DateTo>
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    <ArticleNo>V42</ArticleNo>
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  <OrigData>
    <Abstract language="de" linked="yes"><Pgraph><Mark1>Hintergrund:</Mark1> Genetische Ursachen bei schwerster Sprachentwicklungsst&#246;rung (SES) bleiben oft unerkannt. Bisher beschr&#228;nken sich &#228;tiologische genetische Abkl&#228;rungen meist auf wenige Krankheitsbilder u.a. Klinefelter-Syndrom, fragiles X-Syndrom, FOXP2-Mutationen, Triple-X-Syndrom. Ein standardisiertes Vorgehen zur genetischen Abkl&#228;rung bei schwerster SES ist bisher nicht klinisch etabliert.</Pgraph><Pgraph><Mark1>Material und Methode: </Mark1>Case Report inkl. Therapieverlauf eines 7;10-j&#228;hrigen Jungen mit schwerster SES sowie Entwicklungsst&#246;rung mit autistischen Z&#252;gen und sehr seltener Ursache einer Genmutation im SHANK2-Gen (OMIM &#35;613436) inkl. Literaturrecherche.</Pgraph><Pgraph><Mark1>Ergebnisse:</Mark1> Der 5;5 Jahre alte Junge stellte sich nach 9-monatiger Behandlung in einem heiltherapeutischen SPZ vor. Postnatal seien motorische Entwicklungsverz&#246;gerungen aufgefallen (Sitzen ab dem 3. Geburtstag, Gleichgewichts-&#47;Koordinationsst&#246;rungen) und ein Impfschaden mit Entwicklungsverz&#246;gerung, Konzentrationsproblemen und mangelnder emotionaler Compliance DD autistischen Z&#252;gen diskutiert worden. Eine F&#252;tterungs- und Essst&#246;rung sowie unverst&#228;ndliche Mehrwort&#228;u&#223;erungen in der Muttersprache kamen hinzu. Vor Eintritt in den Kindergarten wurde bereits eine umfangreiche ambulante F&#246;rderung mit Ergo- und Physiotherapie sowie Logop&#228;die begonnen, sp&#228;ter wechselte er in einen F&#246;rderkindergarten. Im Rahmen einer 5-w&#246;chigen Sprach-Intensiv-Intervall-Therapie als phoniatrisch-p&#228;daudiologischen Komplexbehandlung erfolgte eine erg&#228;nzende Diagnostik inkl. EEG, humangenetische Abkl&#228;rung inkl. molekulargenetische Untersuchung von mit Entwicklungsst&#246;rungen assoziierten Genen mittels exomweiter Next Generation Sequenzierung (NGS, Panel auf Intelligenzminderung inkl. Autismus-Spektrums-St&#246;rungen: 2322 Gene) inkl. Analyse auf Kopienzahlver&#228;nderungen (CNV) bei langsamen Therapiefortschritten und psychologische Mitbehandlung inkl. Intelligenz- und Wahrnehmungstestungen. Hierdurch konnte die genetische Ursache gekl&#228;rt und p&#228;dagogische sowie therapeutische Ma&#223;nahmen verbessert werden.</Pgraph><Pgraph><Mark1>Schlussfolgerung:</Mark1> Eine genetische Testung sollte neben einer neurop&#228;diatrischen Diagnostik ein fester Bestandteil der Diagnostik bei schwerster Sprachentwicklungsst&#246;rung mit autistischen Z&#252;gen sein und so fr&#252;h wie m&#246;glich durchgef&#252;hrt werden, wenn keine andere kausale Ursache vorliegt. Bei VUS (Pathogenit&#228;tsstufe 3) sollte stets eine Segregationsanalyse der Eltern angestrebt werden, um unklare oder neue Varianten hinsichtlich ihrer Pathogenit&#228;t beurteilen, Therapien individuell anpassen und Selbsthilfe erm&#246;glichen zu k&#246;nnen.</Pgraph></Abstract>
    <TextBlock name="Text" linked="yes">
      <MainHeadline>Text</MainHeadline><SubHeadline>Hintergrund</SubHeadline><Pgraph>Genetische Ursachen bei schwerster Sprachentwicklungsst&#246;rung (SES) bleiben oft unerkannt. Bisher beschr&#228;nken sich &#228;tiologische genetische Abkl&#228;rungen meist auf wenige Krankheitsbilder u.a. Klinefelter-Syndrom, fragiles X-Syndrom, FOXP2-Mutationen, Triple-X-Syndrom. Ein standardisiertes Vorgehen zur genetischen Abkl&#228;rung bei schwerster SES ist bisher nicht klinisch etabliert. Aktuelle Empfehlungen sehen Exom- beziehungsweise Genomsequenzierung bei Kindern mit Entwicklungsverz&#246;gerung oder intellektueller Beeintr&#228;chtigung als fr&#252;he diagnostische Option vor <TextLink reference="1"></TextLink>. </Pgraph><SubHeadline>Material und Methoden</SubHeadline><Pgraph>Case Report inkl. Diagnostik und Therapieverlauf eines 7;10-j&#228;hrigen Jungen mit schwerster SES sowie Entwicklungsst&#246;rung mit autistischen Z&#252;gen und sehr seltener Ursache einer Genmutation im SHANK2-Gen (OMIM &#35;613436). Erg&#228;nzend erfolgte eine Literaturrecherche zu SHANK2-assoziierten neurologischen Entwicklungsst&#246;rungen, genetischer Diagnostik bei Entwicklungsst&#246;rungen und vergleichbaren genetisch definierten neurologischen Entwicklungsst&#246;rungen.</Pgraph><SubHeadline>Ergebnisse</SubHeadline><Pgraph>Der Patient wuchs zweisprachig mit Kroatisch als Familiensprache und Deutsch als Umgebungssprache auf. Bei Erstvorstellung im Alter von 5;5 Jahren bestanden eine Sprachentwicklungsst&#246;rung schwersten Grades, eine deutliche motorische Entwicklungsverz&#246;gerung, muskul&#228;re Hypotonie, Gleichgewichts- und Koordinationsauff&#228;lligkeiten sowie anamnestisch eine F&#252;tter- und Essst&#246;rung. Bereits fr&#252;h bestand der elterliche Verdacht auf eine komplexe Entwicklungsst&#246;rung beziehungsweise eine Autismus-Spektrum-St&#246;rung (ASS). Zudem wurde eine emotionale Regulationsst&#246;rung diskutiert. Vor Eintritt in den Kindergarten wurde bereits eine umfangreiche ambulante F&#246;rderung mit Ergo- und Physiotherapie sowie Logop&#228;die begonnen, sp&#228;ter wechselte er in einen F&#246;rderkindergarten. </Pgraph><Pgraph>In den p&#228;daudiologischen Untersuchungen (Tympanometrie, otoakustische Emissionen sowie ton- und sprachaudiometrische Befunde) ergab sich wiederholt kein Hinweis auf eine relevante periphere H&#246;rst&#246;rung. Im Verlauf zeigte sich im dichotischen Diskriminationstest nach Uttenweiler ein stark auff&#228;lliger Befund, w&#228;hrend das Sprachverstehen im sprachsimulierenden St&#246;rschall mit dem Oldenburger Kinder-Satztest altersbezogen im Normbereich lag. Logop&#228;disch imponierte eine schwerste SES mit massiven Einschr&#228;nkungen in Sprachverst&#228;ndnis, expressivem Wortschatz, Syntax&#47;Morphologie und Aussprache. Wahrnehmungstherapeutisch bestanden deutliche Einschr&#228;nkungen der visuo-motorischen Integration und der auditiven Merkf&#228;higkeit. Sprachfreie Intelligenztestungen lagen im unteren Norm- bis Lernschw&#228;chebereich; in der Gesamtschau wurde eine Lernschw&#228;che angenommen. Das M&#252;digkeits-&#47;Schlaf-EEG war unauff&#228;llig. Die molekulargenetische Diagnostik mittels Karyotypisierung, Analyse von Kopienzahlvarianten (copy number variations, CNV) und exomweiter Next-Generation-Sequencing-Analyse von 2322 mit Entwicklungs-st&#246;rungen assoziierten Genen ergab im SHANK2-Gen eine heterozygote nonsense-Variante c.553C&#62;T, p.(Arg185&#42;) in Exon 4 von 33, entsprechend hg19 Chr11:g.70821026G&#62;A als auff&#228;lligen und wahrscheinlich pathogenen Befund (Pathogenit&#228;tsklasse 4). Die Variante war zum Untersuchungszeitpunkt weder in der Fachliteratur noch in Varianten- beziehungsweise Populationsdatenbanken beschrieben. Es wurde als SHANK2-assoziierte Autismus-Spektrum-St&#246;rung mit milder bis moderater Entwicklungsst&#246;rung (AUTS17, OMIM &#35;613436) als wahrscheinlich urs&#228;chliche molekulargenetische Diagnose eingeordnet.</Pgraph><SubHeadline>Diskussion</SubHeadline><Pgraph>Der Fall verdeutlicht, dass eine schwerste SES mit autistischen Z&#252;gen nicht vorschnell allein auf Mehrsprachigkeit, Migration, vermutete H&#246;rprobleme oder eine unspezifische Entwicklungsverz&#246;gerung zur&#252;ckgef&#252;hrt werden sollte. </Pgraph><Pgraph>SHANK2-assoziierte St&#246;rungen sind selten, aber f&#252;r die phoniatrisch-p&#228;daudiologische Diagnostik hoch relevant. SHANK2 geh&#246;rt zur SHANK-Familie postsynaptischer Ger&#252;stproteine und ist an der Organisation glutamaterger Synapsen beteiligt <TextLink reference="2"></TextLink>, <TextLink reference="3"></TextLink>, <TextLink reference="4"></TextLink>. Bereits fr&#252;he Arbeiten beschrieben SHANK2-Ver&#228;nderungen bei ASS und intellektueller Beeintr&#228;chtigung <TextLink reference="2"></TextLink>. Funktionelle Untersuchungen zeigten, dass SHANK2-Varianten neuronale Morphogenese, postsynaptische Lokalisation und synaptische Physiologie beeintr&#228;chtigen k&#246;nnen <TextLink reference="3"></TextLink>, <TextLink reference="4"></TextLink>. Neuere klinische Arbeiten erweitern das Spektrum und zeigen, dass SHANK2-St&#246;rungen mit Entwicklungsverz&#246;gerung, ASS, Kommunikationsschw&#228;che, Aufmerksamkeitsdefizit-&#47;Hyperaktivit&#228;tsst&#246;rung (ADHS), sensorischen Auff&#228;lligkeiten und Hypotonie einhergehen k&#246;nnen <TextLink reference="5"></TextLink>, <TextLink reference="6"></TextLink>. Der vorliegende Fall f&#252;gt sich damit gut in das bekannte SHANK2-Spektrum ein, wobei die Sprachsymptomatik besonders schwer ausgepr&#228;gt war. F&#252;r die weitere Beratung ist eine Segregationsanalyse wesentlich, da sie die Frage eines de-novo-Ereignisses, eines elterlichen Mosaiks oder einer vererbten Variante kl&#228;ren und damit die Einsch&#228;tzung des Wiederholungsrisikos pr&#228;zisieren kann.</Pgraph><SubHeadline>Fazit&#47;Schlussfolgerung</SubHeadline><Pgraph>Bei schwerster SES mit autistischen Z&#252;gen, Entwicklungsverz&#246;gerung, muskul&#228;rer Hypotonie oder ausbleibenden Therapiefortschritten sollte bei unbekannter kausaler Ursache die humangenetische Diagnostik fr&#252;hzeitig in ein interdisziplin&#228;res phoniatrisch-p&#228;daudiologisches Abkl&#228;rungskonzept integriert werden. Der vorliegende Fall zeigt, dass eine molekulargenetische Diagnose die Symptomkonstellation erkl&#228;ren, fehlerhafte Kausalzuschreibungen vermeiden und Therapie-, F&#246;rder-, Rehabilitations- und sozialmedizinische Ma&#223;nahmen pr&#228;ziser begr&#252;nden kann. Bei Nachweis einer Variante unklarer Signifikanz (variant of uncertain significance, VUS; Pathogenit&#228;tsklasse 3) sollte stets eine Segregationsanalyse der Eltern angestrebt werden, um unklare oder neue Varianten hinsichtlich ihrer Pathogenit&#228;t beurteilen, Therapien individuell anpassen und Selbsthilfe erm&#246;glichen zu k&#246;nnen. </Pgraph></TextBlock>
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