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    <IdentifierUrn>urn:nbn:de:0183-25teg238</IdentifierUrn>
    <ArticleType>Meeting Abstract</ArticleType>
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      <Title language="de">Technikethische Grundfragen zu robotischen Systemen in der Pflege. Wie kann die technologische Transformation in der Pflege human und sinnvoll gestaltet werden&#63; </Title>
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          <Firstname>Gabriel</Firstname>
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          <AcademicTitle>Dr.</AcademicTitle>
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        <Address>Landesgymnasium Sankt Afra, Nossener Str. 25a, 01662 Mei&#223;en, Deutschland<Affiliation>LG Sankt Afra, Mei&#223;en, Deutschland</Affiliation></Address>
        <Email>gabriel.franke&#64;sankt-afra.de</Email>
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      <DatePublished>20251222</DatePublished>
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      <AltText language="en">This is an Open Access article distributed under the terms of the Creative Commons Attribution 4.0 License.</AltText>
      <AltText language="de">Dieser Artikel ist ein Open-Access-Artikel und steht unter den Lizenzbedingungen der Creative Commons Attribution 4.0 License (Namensnennung).</AltText>
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        <MeetingName>9. Fachtagung Technik &#8211; Ethik &#8211; Gesundheit</MeetingName>
        <MeetingTitle>K&#252;nstliche Intelligenz: Die digitale Zukunft in der Pflege gestalten</MeetingTitle>
        <MeetingSession>Ethische und soziologische Fragestellungen</MeetingSession>
        <MeetingCity>N&#252;rnberg</MeetingCity>
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          <DateTo>20250521</DateTo>
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      <MainHeadline>Text</MainHeadline><Pgraph>K&#252;nstliche Intelligenz dringt in alle Lebens- und Gesellschaftsbereiche ein. &#214;konomische Zw&#228;nge, das Prinzip der technischen Optimierung und die Ausweitung der menschlichen Zugriffsm&#246;glichkeiten durch technologische Innovationen &#8211; all das zwingt uns dazu, uns zu positionieren, wie wir unsere Zukunft und die Zukunft sp&#228;terer Generationen mitgestalten wollen. Unter den zahlreichen Gesellschaftsbereichen, die durch technologische Innovationen ma&#223;gebliche Ver&#228;nderungen erwarten, findet sich auch der Bereich der Pflege. Die Forderung nach Wirtschaftlichkeit, ein erheblicher Fachkr&#228;ftemangel im Pflegepersonal sowie der Wunsch nach Entlastung f&#252;hren dazu, dass innovative Wege in den Blick genommen werden. </Pgraph><Pgraph>Dieser Artikel stellt sich der Frage, wie technologische Ver&#228;nderungsprozesse so gestaltet werden k&#246;nnen, dass diese einerseits eine Entlastung f&#252;r Pflegepersonal darstellen und eine effizientere Gestaltung von Arbeitsprozessen erm&#246;glichen k&#246;nnen und wie andererseits die Grundbedingungen von Humanit&#228;t bewahrt bleiben, die zu den Sinndimensionen des menschlichen Lebens im Alter geh&#246;ren. Es leiten sich folgende konkrete technikethische Fragestellungen ab: </Pgraph><Pgraph><OrderedList><ListItem level="1" levelPosition="1" numString="1.">Wie kann und muss Pflege gestaltet sein, um alternden Menschen in ihrer W&#252;rde, in ihren Bed&#252;rfnissen und ihrem Anspruch auf Anerkennung und menschlicher Interaktion zu begegnen&#63; </ListItem><ListItem level="1" levelPosition="2" numString="2.">K&#246;nnen robotische Akteure in gleichem Ma&#223; ihre Aufgaben erf&#252;llen wie menschliches Pflegepersonal&#63; Ist menschliches Pflegepersonal durch robotische Akteure mit k&#252;nstlicher Intelligenz ersetzbar&#63; Welche Sinndimensionen von Humanit&#228;t w&#252;rden durch eine Verdr&#228;ngung menschlichen Pflegepersonals unterlaufen&#63; Welche grundlegenden technikethischen normativen Einsichten leiten sich aus einer kritischen Unterscheidung zwischen k&#252;nstlicher und menschlicher Intelligenz ab&#63;  </ListItem><ListItem level="1" levelPosition="3" numString="3.">Wie k&#246;nnen Innovationen im Bereich von Automatisierung, Robotik und k&#252;nstlicher Intelligenz so gestaltet werden, dass sie die Kompetenzen menschlichen Pflegepersonals sinnvoll erg&#228;nzen&#63; Wie kann durch technologische Innovationen die Arbeit von menschlichem Pflegepersonal in einer Weise unterst&#252;tzt werden, dass die Innovationen eine bessere Qualit&#228;t von Pflege f&#252;r ein &#8222;gutes Leben im Alter&#8220; erm&#246;glichen&#63; Unter welchen Bedingungen k&#246;nnte technologische Innovation wom&#246;glich sogar f&#252;r mehr Humanit&#228;t in der Pflege sorgen&#63; </ListItem></OrderedList></Pgraph><Pgraph>Selbstverst&#228;ndlich umfasst der Bereich der Pflege auch andere Bereiche als die Versorgung alternder Menschen. Um die hier aufgerissenen Fragestellungen aber pr&#228;gnant, konkret und so greifbar wie m&#246;glich darlegen zu k&#246;nnen, beschr&#228;nken sich die gew&#228;hlten Beispiele und Literaturbez&#252;ge auf die Ethik des Alterns. Die meisten Paradigmen, die dabei beleuchtet werden, k&#246;nnen jedoch mit nur wenigen Einschr&#228;nkungen und Adaptionen auch auf andere Bereiche der Pflege ausgeweitet und &#252;bertragen werden. </Pgraph><SubHeadline>Grundlegende Unterschiede zwischen k&#252;nstlicher und menschlicher Intelligenz </SubHeadline><Pgraph>Der Begriff KI (&#8222;K&#252;nstliche Intelligenz&#8220;) wird in j&#252;ngerer Zeit vor allem f&#252;r &#8222;lernf&#228;hige&#8220; neuronale Netze verwendet. Die Diskussionsgeschichte des Begriffs umfasst jedoch seit den Anf&#228;ngen der Computerentwicklung sowohl deterministische Expertensysteme als auch konnektionistische Ans&#228;tze. (vgl. <TextLink reference="1"></TextLink> und <TextLink reference="2"></TextLink>, S. 37ff). Die fundamentalen Unterschiede zwischen beiden Architektursysteme k&#246;nnen hier nicht vollumf&#228;nglich systematisch dargestellt werden. Kurz zusammengefasst kann man aber sagen: Deterministische Systeme folgen einer algorithmischen Befehlsverkettung kausaler Abl&#228;ufe, die einsehbar und logisch nachvollziehbar ist, w&#228;hrend neuronale Netze zur Optimierung einer Zielfunktion die Gewichtung von eingehenden Input-Signalen so lange mit unterschiedlichen Wahrscheinlichkeiten und Faktoren umstrukturieren, dass die gew&#252;nschte Zielfunktion mit einer immer besseren Genauigkeit erreicht wird; neuronale Netze gelten daher als &#8222;lernf&#228;hig&#8220;. Die St&#228;rken automatisierter Systeme liegen im Vergleich zur menschlichen Intelligenz vor allem in der <Mark1>Zuverl&#228;ssigkeit und Berechenbarkeit</Mark1> (das gilt vor allem f&#252;r deterministische Expertensysteme) sowie in der blitzschnellen <Mark1>Verarbeitung enorm gro&#223;er Datenmengen</Mark1> unter Bezugnahme auf gro&#223;e Mengen von Wissensdaten (das gilt vor allem f&#252;r konnektionistische Ans&#228;tze). Beide Ans&#228;tze werden freilich auch in technischen Anwendungen miteinander verbunden. </Pgraph><Pgraph>Daraus leiten sich f&#252;r den Bereich der Pflege verschiedene Ansatzpunkte ab, die aufgrund der spezifischen St&#228;rken von KI-Systemen eine bessere Qualit&#228;t von Pflege erm&#246;glichen k&#246;nnten. Hierzu geh&#246;rt beispielsweise die Erfassung von Gesundheitsdaten und eine <Mark1>Assistenz der medizinischen Diagnostik</Mark1>. Es steht durch die Arbeitsweise von KI-Systemen und durch die Geschwindigkeit der technologischen Entwicklungen zu erwarten, dass bereits in absehbarer Zeit immer zuverl&#228;ssigere Assistenzsysteme genutzt werden k&#246;nnen, die zumindest vollautomatisiert Situationen erkennen, in denen menschliches medizinisches Fachpersonal eingeschaltet werden muss. </Pgraph><Pgraph>Die automatisierte medizinische Diagnostik k&#246;nnte auch eine <Mark1>passgenauere Ern&#228;hrung</Mark1> in Bezug auf den Gesundheitszustand von Patienten erm&#246;glichen, wenn k&#246;rperliche Mangelerscheinungen, Unvertr&#228;glichkeiten und Komplikationen von Medikamenteneinnahme durch KI-basierte Empfehlungen automatisiert zu einer Ern&#228;hrungsempfehlung f&#252;hren, die dann f&#252;r die Planung der Mahlzeiten ber&#252;cksichtigt wird. </Pgraph><Pgraph>Zu den Bereichen der Potentiale in der Entlastung des Pflegepersonals f&#228;llt der Bereich der <Mark1>Protokollierung</Mark1>, der durch digitale Technologien nicht nur verbessert werden k&#246;nnte, sondern der vermutlich bald auch vollautomatisiert durch die Verarbeitung von Input-Daten des mitgezeichneten nat&#252;rlichen Gespr&#228;chs ersetzt werden kann. Die Antworten auf die Fragen nach dem Gesundheitszustand von Patienten k&#246;nnen durch Texterkennung vollautomatisch erfasst, systematisch dokumentiert und in &#252;bersichtlicher Weise zusammengefasst werden. Dadurch w&#252;rde f&#252;r die Qualit&#228;t der Pflege ein wesentlicher Zugewinn entstehen: Die Aufmerksamkeit des Pflegepersonals w&#228;re in der Begegnung, in der F&#252;rsorge, im Blick und im Zuh&#246;ren, w&#228;hrend die Dokumentation vollautomatisch parallel abliefe und im Anschluss an das Gespr&#228;ch nur &#252;berpr&#252;ft werden m&#252;sste. </Pgraph><Pgraph>Eine Entlastung des Personals kann freilich auch im Bereich der Robotik und der Medizintechnik erm&#246;glicht werden, insbesondere in <Mark1>Aufgaben, die eine starke k&#246;rperliche Belastung</Mark1> darstellen wie etwa das Lagern adip&#246;ser Patienten.</Pgraph><Pgraph>Problematisch ist hingegen aus ethischer Sicht, wenn robotische KI-Systeme die menschliche Begegnung <Mark1>ersetzen</Mark1> sollen.</Pgraph><Pgraph>Aus den in diesem Band skizzierten philosophischen Grundlagen f&#252;r ein gutes Leben im Alter l&#228;sst sich ableiten, welche Bedingungen f&#252;r die Qualit&#228;t guter Pflege gelten m&#252;ssen und unter welchen Bedingungen Robotik und k&#252;nstliche Intelligenz sinnvollerweise implementiert werden k&#246;nnen. Gute Pflege ber&#252;cksichtigt die Fragilit&#228;t und Zerbrechlichkeit des Menschen durch die Haltung der F&#252;rsorge. Der alternde Mensch kann sich durch die Versorgung jedoch nur dann auch gesellschaftlich geborgen f&#252;hlen, wenn Elemente der <Mark1>Begegnung</Mark1>, des <Mark1>Gespr&#228;chs</Mark1> und der <Mark1>Teilnahme</Mark1> gelebt werden. Der franz&#246;sische Element Emmanuel L&#233;vinas hat systematisch herausgearbeitet, wie im &#8222;Antlitz&#8220; des Anderen Teilnahme, Z&#228;rtlichkeit, Zerbrechlichkeit, ja sogar seine &#8222;Heiligkeit&#8220; sp&#252;rbar und erlebbar werden (<TextLink reference="3"></TextLink>, S. 279). Das &#8222;Antlitz&#8220; des Anderen wird in der Begegnung auch zum Tor f&#252;r Vernunft, Bedeutung und Sinn (<TextLink reference="3"></TextLink>, S. 289ff). </Pgraph><Pgraph>Wenn diese anthropologischen Sinndimensionen in der Pflege nicht unterlaufen werden sollen, dann sind aus einer technikethischen Perspektive digitale Assistenzsysteme lediglich als Unterst&#252;tzung f&#252;r menschliches Pflegepersonal akzeptale </Pgraph><Pgraph>Maschinelle Systeme k&#246;nnen eine Vielzahl von Aufgaben effizient und zuverl&#228;ssig erledigen. Damit bergen technische Innovationen das Potential, einen gr&#246;&#223;eren Freiraum zu schaffen, um den Aufgaben der genuin menschlichen <Mark1>F&#252;rsorge und Begegnung</Mark1> gerecht zu werden. </Pgraph><SubHeadline>Anthropomorphe Technik in der Pflege </SubHeadline><Pgraph>Doch k&#246;nnte nicht auch ein robotisches System in der Versorgung in gewissem Sinne ein Gegen&#252;ber, ein &#8222;Antlitz&#8220; werden&#63; Hat ein robotisches System nicht auch ein &#8222;Embodiment&#8220;, im Sinne eines &#8222;Leibes&#8220;, der eine Begegnung erm&#246;glicht&#63; </Pgraph><Pgraph>Leiblichkeit als Grundbestimmung des Menschlichen kann nicht mit Embodiment einer k&#252;nstlichen Intelligenz gleichgesetzt werden. Der Unterschied besteht darin, dass jede menschliche Intelligenz sich als leibliche Intelligenz herausbildet: Kognitive und logische Prozesse entstehen nicht losgel&#246;st von k&#246;rperlichen Prozessen, sondern bilden sich immer aus einer Perspektive der Leiblichkeit heraus. Leiblichkeit bezeichnet damit die Ich-Perspektive als Leib. Robotiksysteme k&#246;nnen einen <Mark2>K&#246;rper haben</Mark2>, aber kein <Mark2>Leib sein</Mark2>. Robotische Systeme haben einen K&#246;rper, in den eine k&#252;nstliche Intelligenz implementiert wird. Der Programmcode ist jedoch nicht mit dem K&#246;rper untrennbar gebunden; weder &#8222;stirbt&#8220; der Programmcode mit den Bauteilen, die von ihm bewegt werden noch entfaltet sich die k&#252;nstliche Intelligenz mit dem Zusammenbauen der Teile. Die menschliche Intelligenz bildet sich im Wachstum heraus, die Intelligenz w&#228;chst mit dem Leib, in dem sie agiert. Menschliche Intelligenz ist dadurch immer leiblich gepr&#228;gt, sie ist nie rein logisch, sondern immer auch verbunden mit Sinnesempfindungen, mit Gef&#252;hlen, mit Erinnerungen und mit einer leiblich konstituierten Ich-Perspektive (vgl. <TextLink reference="2"></TextLink>, S. 430-432). So ist menschliche Intelligenz auch biographische, personale Intelligenz. Die menschliche Person ist ein Individuum mit einer einzigartigen Geschichte. K&#252;nstliche Intelligenz rekurriert hingegen nicht prinzipiell auf eine zuvor emotional und sinnlich erlebte Welt. K&#252;nstliche Intelligenz ist keine leiblich entfaltete Intelligenz.  </Pgraph><Pgraph>Menschliche Intelligenz ist au&#223;erdem immer auch eine in sprachlichen, kulturellen und sozialen Kontexten herausgebildete Intelligenz. Sie entfaltet sich in Beziehungen, in Gespr&#228;chen, in sozialen Interaktionen. In den Wegen der Sprache entfaltet sich die Welt der zwischenmenschlichen Beziehungen und der gesellschaftlichen Kultur und damit auch die Welt der Normativit&#228;t. S&#228;mtliche Aspekte der menschlichen Intelligenz sind somit vielschichtig und mehrdeutig, zur&#252;ckgebunden und verwoben mit emotionalen, kulturellen, sprachlichen, sozialen, leiblichen und biographischen Kontexten, die nie in ihrer G&#228;nze bewusst gemacht, sondern nur partiell rekonstruiert werden k&#246;nnen. In ihrer Ganzheit bilden sie als Totalit&#228;t die menschliche Person, die uns begegnen kann (vgl. <TextLink reference="2"></TextLink>, S. 323-335). Erst durch diese Grundlage wird der Andere mir zum Gegen&#252;ber, der mir gegen&#252;ber Empathie und Mitgef&#252;hl zeigen kann. </Pgraph><Pgraph>K&#252;nstliche Intelligenz ist entweder berechenbar (deterministische Systeme) oder prinzipiell funktional auf die L&#246;sung einer Aufgabe hin ausgerichtet (neuronale Netze). Sprachliche, kulturelle und emotionale Dimensionen k&#246;nnen zwar im Sinne eines Simulationsspieles (Turing) nachgeahmt werden, sodass sie formal den Kriterien der Verwechselbarkeit entsprechen. Es besteht jedoch kein gerechtfertigter Grund zur Annahme, dass in automatisierten Systemen von Emotionen oder gar von Empathie gesprochen kann (vgl. <TextLink reference="4"></TextLink>, S. 43-90). Auch wenn Robotiksysteme mit k&#252;nstlicher Intelligenz also in gewisser Weise routinierbare Gespr&#228;che f&#252;hren k&#246;nnen, so fehlt in ihnen der f&#252;r eine echte Begegnung wesentliche Gehalt des personalen Lebens, der in Bezug auf ein Gegen&#252;ber eine Resonanzerfahrung (vgl. <TextLink reference="5"></TextLink>) oder eine Ich-Du-Begegnung (vgl. <TextLink reference="6"></TextLink>) erm&#246;glichen k&#246;nnte. Die Versorgung durch ein robotisches System ersetzt nicht das Bed&#252;rfnis nach Begegnung. </Pgraph><Pgraph>Auch ohne die Implementierung von robotischen Assistenzsystemen droht der Verlust von Humanit&#228;t in der Qualit&#228;t von Pflege, wenn Arbeitsbelastungen ein Ma&#223; annehmen, das den Menschen zur Maschine werden l&#228;sst und keinen Raum mehr l&#228;sst f&#252;r das genuin Menschliche. Vor der Entmenschlichung des Menschen durch eine Reduktion seines Wertes auf seine Produktivit&#228;t warnte bereits Norbert Wiener, der Begr&#252;nder der Kybernetik und Pionier der Regelungstechnik: &#8222;Es ist eine Herabsetzung des Menschen, ihn an eine Ruderbank zu ketten und als Kraftquelle zu gebrauchen; aber er ist eine fast ebenso gro&#223;e Herabsetzung, ihm eine sich immer wiederholende Aufgabe in einer Fabrik zuzuweisen, die weniger als ein Millionstel der F&#228;higkeiten seines Gehirns in Anspruch nimmt&#8220; (<TextLink reference="7"></TextLink>, S. 27). Er wies auch auf die Gefahr einer &#8222;Maschinisierung des Menschen&#8220; (<TextLink reference="7"></TextLink>, S. 27), wenn Menschen durch Abstumpfungsprozesse so herzlos und mechanisch in ihren Abl&#228;ufen werden, dass sie nur noch wie &#8222;Maschinen aus Fleisch und Blut&#8220; (<TextLink reference="7"></TextLink>, S. 194) erscheinen. </Pgraph><Pgraph>Die Herausforderung f&#252;r die gesellschaftlichen Transformationsprozesse durch Technologien mit k&#252;nstlicher Intelligenz und Robotik besteht also nicht darin, menschliches Pflegepersonal ersetzbar werden zu lassen, sondern dieses daf&#252;r zu bef&#228;higen, wieder Raum und Zeit f&#252;r das genuin Menschliche zu finden. Wenn digitale Assistenzsysteme menschliche Pflegerinnen und Pfleger soweit unterst&#252;tzen und entlasten k&#246;nnen, dass dieses wieder mehr Zeit und Aufmerksamkeit f&#252;r Begegnungen und Gespr&#228;che haben, wenn sie, mit L&#233;vinas gesprochen, ein &#8222;Antlitz&#8220; als Tor zur Welt sein k&#246;nnen, dann f&#246;rdern technologische Innovationen im besten Falle auch die Humanit&#228;t in der Pflege. Wenn Innovationen verweigert werden, aber stattdessen die Arbeitsbelastung ein solches Ma&#223; erreicht, dass man durch die &#220;berlastung von einer Abstumpfung und &#8222;Maschinisierung&#8220; des Pflegepersonals sprechen muss, dann bewahrt man gerade nicht die Humanit&#228;t und die Haltung der F&#252;rsorge, auf der sich das Wertesystem der Pflege gr&#252;ndet.</Pgraph></TextBlock>
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